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Planet VDVC: News, Blogs und Kommentare von VDVC und Mitstreitern

20. Februar 2012

VDVC-Blog

Demonstration am 25.2.: Erneuter Protestaufruf gegen ACTA

Kurzfassung:
Am Samstag den 11. Februar fand die erste Europaweite Demonstrantion gegen das ACTA-Abkommen statt. Unsere Justizministerin hat bereits einen Tag zuvor bekanntgegeben, dass sie den Vertrag vorerst nicht unterzeichnet. Wie Heise berichtet (heise-online 13.02.), hält die Regierung allerdings weiter an dem Abkommen fest, 22 Länder in der EU haben bereits unterzeichnet und am 1. März soll eine Anhörung im EU-Parlament stattfinden. ACTA wird zwangsläufig große Auswirkung auf unser zukünftiges Leben haben, da es eine Richtungsentscheidung ist, welche sich nicht mehr so leicht umkehren lässt. Deswegen sind für den kommenden Samstag, dem 25. Februar, weitere Proteste in Deutschland und Europa geplant. Eine Liste der Städte gibt es hier bei stopacta-protest.info.

Langfassung:
Zur letzten Anti-ACTA-Demonstration am 11. Februar sind deutschlandweit über 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten nicht, wie einige Kommentatoren in den Medien behaupteten, für dass illegale kopieren von Information, sondern richtete sich vor allem gegen die durch ACTA vermeintlich eingeführten Maßnahmen wie Netzsperren und das sogenannte “Three-Strikes-Modell”. Sie sahen ihre Freiheit bedroht, welche sie auch im Netz selbstverständlich ausleben wollten. Von den Medienunternehmen wurden die Demonstrationen mit Ablehnung zur Kenntnis genommen. Sie bezeichneten sie sogar als “koordinierte Attacken auf demokratische Institutionen” (Netzpolitik.org 14.02.).
Zugegeben: in der endgültigen Fassung des Vertrages stehen solche Methoden nicht (mehr) drin, dennoch hat ACTA weitreichende Auswirkungen auf unseren Alltag. Denn mit ACTA wäre es möglich das Surfverhalten der Internetnutzer zu überwachen, die sich dagegen kaum wehren können, weil der Vertrag einzig aus der Sicht der Rechteinhaber verfasst wurde. Rechte der Nutzer bzw. ein Rechtsschutz gegen die durch ACTA ermöglichten Methoden sind im Vertrag nicht vorgesehen (Netzpolitik.org 16.02.)

In der Debatte um ACTA wird dabei immer wieder darauf verwiesen, dass es um den Schutz des Urheberrechtes und von “geistigem Eigentum” ginge. Da aber diejenigen, die sich am stärksten für ACTA einsetzen nicht die Urheber sondern die Rechteinhaber, also die Verwerter sind, kann man zurecht sagen, dass es bei ACTA weniger um Urheber- als um Verwerterrechte geht (Deutschlandradio 20.02.). Durch den schwammigen Vertragstext sind die Auswirkungen von ACTA nur schwer vorauszusagen. Mit Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass durch dieses Vertragswerk die “private Zusammenarbeit” zwischen Rechteinhabern und Internetanbietern gefördert werden soll. Zudem gehen viele Beobachter davon aus, dass es geheime Zusatzprotokolle geben muss, in denen genauere Angaben zu angepeilten Methoden stehen. Hiervon geht sogar der derzeitige Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz aus, der wie auch viele andere die generelle Intransparenz von ACTA kritisiert (Bericht aus Berlin 12.02.).
Die Gefahren von ACTA lauern also eher unter der Oberfläche. Es enthält per se keine drakonischen Strafen für Urheberrechtsverletzer, fördert allerdings einen rigiden Umgang. Auch ist nicht davon auszugehen, dass mit ACTA nicht doch zu Gesetzesverschärfungen kommen kann. Zum einen zementiert ACTA das bestehende Urheberrecht, so dass eine Reformirrung deutlich erschwert wird. Zum anderen befürchten einige, dass sich die schon erwähnten Netzsperren und andere Methoden zur Not durch ACTA begründen lassen würden, und sie so doch eingeführt werden könnten. Dies ist insofern plausibel, da diese Ideen durchaus derzeit Diskutiert werden, wie eine kürzlich vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt (Netzpolitik.org 3.02.).

Was für Auswirkungen ACTA für uns Video- und Computerspieler haben könnte haben wir schon bei unserem letzten Protestaufruf geschildert. Wir sind jedoch auch der Meinung, dass man aber nicht den Blick aufs große Ganze dabei verlieren sollte. ACTA ist ein einseitig verfasster, intransparenter und unausgewogener Vertrag, welcher, wenn er Ratifiziert werden würde, die Debatte um das Urheberrecht auf Jahrzehnte hinaus bestimmen würde. Deshalb Rufen wir auch dieses mal dazu auf, dass ihr euch am 25. Februar zu einer der deutschlandweiten Demonstrationen geht.

Weiterführende Links:

by Sascha Morlok at 2012/02/20, 21:05:41

19. Februar 2012

Stigma Videospiele

ZDF-Intendant: Lüge als Kernkompetenz

Bei der Berichterstattung über “Killerspiele” werden von den Medien nicht nur große, sondern auch kleine Unwahrheiten verbreitet. Hervorgetan hat sich hierbei vor allem das ZDF-Format “Frontal 21″, das Gamern nicht nur Rainer Fromm, sondern auch Anwälte auf den Leib hetzte. Anlässlich eines Rückblicks wurde die Kritik der Gamer durch die Redaktion jedoch umgedeutet. Die Spieler hätten nicht an der diffamierenden Berichterstattung, sondern an der Thematisierung der tatsächlich nicht dargestellten Suchtgefahr Anstoß genommen: 

2004 – die digitale Gemeinde in Aufruhr: Frontal21 berichtet über Killerspiele. „Das macht süchtig“, sagten wir – und kassierten jede Menge Widerspruch und Parodien.”

Über die Relevanz einer solchen Umdeutung mag man sich streiten können – so mutet der Vorwurf, dass der Vorwurf einer verfälschten Berichterstattung seinerseits verfälscht wurde, schon etwas diffus an – doch letztendlich ist auch hierin eine Diffamierung zu sehen. Ähnlich wie im Fall von ACTA-Protestierenden, die teilweise als Befürworter von “Raubkopien” und nicht als Gegner einer staatlich verordneten Überwachung der Kommunikation dargestellt wurden, werden auch hier die Motive der Kritiker durch weniger vorteilhafte ausgetauscht.

Um auf die falsche Berichterstattung durch “Frontal 21″ hinzuweisen hatte der VDVC gemeinsam mit stigma einen offenen Brief verfasst, der jedoch auch heute noch unbeantwortet ist. Da wir nicht mehr daran glaubten, dass eine Antwort erfolgen wird, haben wir eine Beschwerde beim Fernsehrat des ZDF eingelegt. Wie im Verfahren vorgesehen hat sich nun der Intendant geäußert. Dabei nimmt er es mit der Wahrheit jedoch nicht so genau.

Den Vorwurf, dass “Frontal 21″ die Kritik an der 2004 ausgestrahlten Sendung umgedeutet habe, versucht er dabei im wesentlichen durch zwei Strategien zu entkräften.

- Zum einen durch die der Lüge. Demnach würden über ”33 Sekunden [...] mehrere Beiträge zusammengefasst, die in einem Zeitraum von mehreren Jahren gesendet worden waren“. So markiere auch “das eingeblendete Datum „2004“ [...] lediglich den Beginn der Berichterstattung zu dem Thema“, so dass der monierte Satz “nicht im direkten Bezug zu dem Beitrag „Videogemetzel im Kinderzimmer“ aus dem Jahr 2004” stehe.

- Zum anderen durch die des Verschweigens: Es wird darauf abgestellt, dass sich die im Beitrag dargestellte Kritik nicht nur auf die Sendung vom 09.11.2004 beziehe. Der Umstand, dass auch hinsichtlich der anderen Beiträge Kritiker nicht Anstoß an der Thematisierung der Gefahren von Videospielen nahmen, sondern die fehlende Objektivität beklagten, wird nicht erwähnt.

Zum ersten Punkt eine kleine Gegenüberstellung: Es wurde behauptet, dass in den 33 Sekunden “mehrere Beiträge zusammengefasst” worden seien, die “in einem Zeitraum von mehreren Jahren gesendet worden waren“. Ich wollte mir zunächst nicht die Mühe machen, diese Aussage zu überprüfen. Doch offenbar hat der Intendant genau darauf spekuliert. Denn die Aussage des Intendanten, dass die gezeigten Szenen nicht nur der Sendung vom 09.11.2004, sondern auch weiteren Sendungen entstammen würden, ist falsch. Ausnahmslos alle gezeigten Bilder finden sich in der Sendung vom 09.11.2004 – “Videogemetzel im Kinderzimmer” – wieder:

Und auch die Aussage des Intendanten - dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass in dem Beitrag nicht direkt auf den Beitrag “Videogemetzel im Kinderzimmer” vom 09.11.2004 bezuggenommen worden sei, sondern “das eingeblendete Datum „2004“ [...] lediglich den Beginn der Berichterstattung zu dem Thema“ markiere, ist falsch.

Tatsächlich wird am Anfang zwar ein “2004” eingeblendet, doch zwischendurch ist eine Bauchbinde zu sehen, die Zweifel daran aufkommen lässt, dass es hier nicht um den Beitrag vom 09.11.2004 gehe:

Ich weiß nicht, ob das ZDF alle seine Zuschauer für beschränkt hält. Möglicherweise traut man auch nur Gamern nicht viel zu, da diese durch Videospiele ja verblöden würden. Wer die Videos selbst vergleichen möchte, kann dies hier gerne tun:

- Neuer Beitrag (ab 04:50)
- Videogemetzel im Kinderzimmer

by Rey Alp at 2012/02/19, 16:06:47

18. Februar 2012

Stigma Videospiele

Lesehinweis

(krawall.de)

André Peschke, Gewalt kann schön sein, krawall.de v. 17.02.2012.

- Zum Artikel

by Rey Alp at 2012/02/18, 11:49:12

17. Februar 2012

Stigma Videospiele

“Modern Warfare 2″ als Pazifist gespielt

Oft steht der Vorwurf im Raum, dass es bei sogenannten “Killerspielen” allein darum ginge möglichst viele Menschen zu töten. Harald Fränkel versucht nun den Beweis zu erbingen, dass “Modern Warfare 2″ gespielt werden kann, ohne auch nur einen Gegner zu erschießen. Wer erfahren möchte, ob ihm dies gelingt, sollte einen Blick auf die verlinkten Videos werfen:

- Teil 1
- Teil 2
- Teil 3

by Rey Alp at 2012/02/17, 16:06:05

13. Februar 2012

Stigma Videospiele

Petition wird ohne Freischaltung abgelehnt

Wir hatten Anfang 2011 mit dem VDVC eine Petition ausgearbeitet, die sich gegen das Verbot gewaltverherrlichender Videospiele und die Indizierung in ihrer jetzigen Form richtet. Entgegen unserer Erwartungen wurde jedoch eine Veröffentlichung zur Mitzeichnung abgelehnt – zuletzt mit der Begründung, dass die Petition “nicht den gewünschten Erfolg haben wird“, weil “eine Umsetzung [...] angesichts der gegenwärtigen Handlungspriorität auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint“. Zu dieser Entscheidung durften wir eine Stellungnahme verfassen, die jedoch nicht überzeugte:

Ich bitte um Ihr Verständnis, dass der Ausschuss auch nach nochmaliger Überprüfung aus den Ihnen bereits genannten Gründen von einer Veröffentlichung Ihrer Eingabe absieht.”

Zuvor wurde uns schon mit Schreiben vom 11.01.2012 angekündigt, dass “den Abgeordneten des Petitionsausschusses in sechs Wochen vorgeschlagen” werde, “das Petitionsverfahren abzuschließen, weil Ihrem Anliegen nicht entsprochen werden kann“. Ob es uns gelingt vor Ablauf der Frist in Erfahrung zu bringen, inwieweit eine Klage eine sinnvolle Entscheidung wäre, erscheint fraglich.

by Rey Alp at 2012/02/13, 19:07:42

09. Februar 2012

Stigma Videospiele

Yogeshwar kann auch populistisch

(Fernsehkritik.tv) Bei Fernsehkritik.tv wurde Ranga Yogeshwar als Gast unter anderem zu seiner Meinung über “Killerspiele” befragt, die für Sachkundige etwas abstrus wirken dürfte. So führt er das MMORPG “World of Warcraft” als Paradebeispiel eines “Killerspiels” an, bei dem “es nur darum geht zu ballern, andere abzustechen“. Rollenspiele hält er des Weiteren auch deswegen für bedenklich, weil eine “Entkopplung zwischen Wirklichkeit und einer Scheinwelt” erfolgt, so ”dass man eine Art zweite Persönlichkeit entwickelt“. Man müsse hier vorsichtig sein, “solange wir nicht wissen, was das psychologisch mit einem jungen Menschen macht“. Selbstverständlich wird auch die Suchtgefahr betont: Nach einer Studie wurde bei “10 % dieser Spieler pathologisches Spielverhalten” attestiert.

Militärspielen würden dagegen noch ganz andere Gefahren inne wohnen. So gäbe es “Killerspiele, “wo es tatsächlich um das echte Schießen geht – Schießtraining“, sowie die Strategie “junge Menschen für das Militär zu begeistern, für bestimmte Feindbilder zu sensibilisieren“. Yogeshwar deutet sogar eine Subventionierung dieser Spiele an:

Es gibt Killerspiele, wo zum Beispiel man sich doch als User fragen muss, wieso ist ein so aufwendiges Militärspiel so günstig.

Angesichts derartiger Ausführungen bleibt nur zu hoffen, dass er bei naturwissenschaftlichen Themen weiß, wovon er spricht. Dabei hat er eigentlich eine ganz gesunde Einstellung zum Thema Wissenschaftsjournalismus:

Darf man als Journalist auch eine Meinung haben, die nicht unbedingt dem Mainstream entspricht? Wenn die Meinung gut fundiert ist, wenn man mitunter auch mit harten Argumenten klarmacht, warum man an der Stelle vielleicht Dinge anders sieht als der große Rest, finde ich das legitim. Im Gegenteil, es ist manchmal eine Verpflichtung. Es geht weniger darum selber eine Meinung zu haben, sondern mehr dafür zu sorgen dass das, was man sendet in gewisser Weise fundiert ist, auf Fakten basiert.”

Es wäre jedoch wünschenswert, wenn Yogeshwar auch dann Wert auf Fakten legt, wenn er mit und nicht gegen den Mainstream argumentiert. Besonders interessant ist auch der Umstand, dass er auf den Vorwurf, dass er impliziere, “dass “Killerspiele” der Grund für Amokläufe seien“, nicht reagiert bzw. keine Anstalten macht diesen Eindruck richtig zu stellen.

Der besagte Gesprächsausschnitt:

Holger Kreymeier:

„Mich würde Ranga Yogeshwars aktuelle Meinung zum Thema „Killerspiele“ interessieren. Der Grund ist ein Bericht in „Quarks & Co“ zum Thema „Wie beeinflussen Medien das Lernen. Was dabei auffiel ist, dass Herr Yogeshwar recht voreingenommene Meinungen zu diesem Thema hatte. Er benutzte Kampfvokabeln wie „Ballerspiele“, „Brutalsequenzen“ und „Killerspiele“ und ignoriert den Fakt, dass diese Art von Spielen verboten sind für junge Menschen und zeigt Artikel aus der Express und impliziert damit, dass „Killerspiele“ der Grund für Amokläufe seien.“ So wird es Ihnen unterstellt.

Ranga Yogeshwar:

Wir können das mal Schritt für Schritt durcharbeiten.

Also der erste Punkt ist… Wenn man sich bestimmte Killerspiele anguckt, machen wir es konkret: „World of Warcraft“, dann haben wir hier ein Spiel, bei dem mehrere Dinge gegeben sind, die sehr klar zur Sucht führen. Nämlich zum einen ist es so, dass es ein Spiel ist, das nie zu ende ist. Es läuft ständig weiter. Man geht Verabredungen mit anderen ein. Also es sind Verpflichtungen damit wird auch der Zeithorizont strukturiert. Es ist so, dass dieses Spiel sogar wunderbar austariert ist, was die Kosten betrifft. Das ist „Taschengeldkompatibel“. Und es gibt eine Universitätsuntersuchung der Universität Landau, die junge Spieler bei „World of Warcraft“ untersucht haben und festgestellt haben, dass 10 % dieser Spieler pathologisches Spielverhalten haben. Das heißt, wir werden als Gesellschaft mit einem Phänomen konfrontiert, was relativ neu ist. Weil Sie und ich haben in Ihrer Jugend und in meiner garantiert nicht mit solchen Spielen hantiert. Und es ist jetzt so, dass wir erst merken, was ist der Effekt. Das heißt das Produkt ist schon raus – es wird häufig Geld damit gemacht – es wird aber nicht geguckt, was passiert da.

Was eine Katastrophe ist, ist der Jugendschutz. Weil der funktioniert nicht. Das steht als Etikett drauf, aber der Realitätscheck zeigt: Junge Menschen kommen an diese Spiele.

Und das zweite für mich ist, dass ich mich schon fragen muss: Ist es eigentlich die Krönung einer klugen Gesellschaft, die unglaublich viel Intelligenz in viele Dinge des Lebens setzt, um am Ende jungen Menschen eine Illusion einer doch ziemlich absurden Welt vorzuspielen, bei der es nur darum geht zu ballern, andere abzustechen etc.

Holger Kreymeier:

Aber geht es denn wirklich nur darum? Also „World of Warcraft“, ist das denn wirklich ein „Killerspiel“? Ich würde es eher als ein Strategiespiel bezeichnen. Und man darf auch nicht vergessen es ist trotzdem auch ein Spiel das auch unglaublich viel Fantasie beinhaltet. Also einfach nur zu sagen „abstechen und abschießen“, das ist doch eigentlich ein bisschen platt.

Ranga Yogeshwar:

Nein nein. Es gibt „von … bis“. Es gibt Killerspiele, wo es tatsächlich um das echte Schießen geht – Schießtraining, es gibt Killerspiele, wo zum Beispiel man sich doch als User fragen muss, wieso ist ein so aufwendiges Militärspiel so günstig [Zäsur]. Und da stellt man fest, dass es auch eine neue Form der Strategie ist junge Menschen für das Militär zu begeistern, für bestimmte Feindbilder zu sensibilisieren. Es ist interessant wie viele Ballerspiele im Bereich Militärspiele es gibt, bei denen der Feind immer irgendwie ein Moslem oder hinterm Minarett sitzt. Da wird subkutan auch tatsächlich eine Botschaft vermittelt. Und dann gibt es Spiele wie „World of Warcraft“, wo natürlich nicht nur geballert wird, aber wo sozusagen eine Entkopplung zwischen Wirklichkeit und einer Scheinwelt stattfindet, die aber in der Intensität enorm ist. Es gab auch früher Spiele, wo wir uns in eine Scheinwelt begeben haben, aber die Tatsache, dass man sozusagen in seinen Gilden immer wieder Verabredungen trifft, sich immer wieder neu vereinbart, dass man eine Art zweite Persönlichkeit entwickelt, halte ich für bedenklich. Und ich finde solange wir nicht wissen, was das psychologisch mit einem jungen Menschen macht, sollte man vorsichtig sein, sollte man viel genauer drauf gucken als das bis dato der Fall ist. Aber wenn Sie sich die Umsätze angucken, dann werden Sie feststellen, dass ist Big Business. Und das ist so eine Unart, dass wir immer dann, wenn viel Geld verdient wird, ein bisschen blind sind, was das kritische Auge betrifft.

Zum Video

by Rey Alp at 2012/02/09, 14:36:23

08. Februar 2012

Patrik Schönfeldt

Datenschutz-Mythen

Die Debatte um Datenschutz im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken, ist geprägt von Ängsten. Das mag mit der allgemeinen angst vor den Unbekannten zu tun haben, aber auch damit, dass „das Internet“ diffus, nicht stofflich, nicht greifbar erscheint. Wenn wir eine Gefahr nicht sehen, nicht abschätzen können, erscheint sie uns besonders groß.

Dieses allgemeine Problem wird jedoch verstärkt durch weitere (aktive) Verwirrung der Nutzer durch Datensammler wie Datenschützer. Das geschieht so eindringlich, dass sich mindestens zwei Mythen bereits tief im Bewusstsein der Bevölkerung eingegraben haben.

Das Netz vergisst nie.

404: File has been forgotten.

Dinge, die im Netz allen zugänglich gemacht werden, sind schwierig unter Kontrolle zu halten. Findet jemand die Information – aus welchen Gründen auch immer – interessant und kopiert sie, entzieht sich das Datum schnell dem eigenen Einflussbereich. Man kann keine Daten von Fremdrechnern löschen – und das ist auch gut so. Selber wollte man auch nicht, dass Daten auf dem eigenen Computer einfach so verschwinden, nur weil irgendjemand anderes das so will[1]. Es ist übrigens auch so, dass man niemanden dazu zwingen kann, etwas gesehenes zu vergessen: Wer sich auf der Betriebsfeier daneben benimmt, kann keinen Anspruch geltend machen, dass die Kollegen nicht mehr daran denken.

Diese Analogie ist aber auch in umgekehrter Richtung sehr passend. Ähnlich wie die Erinnerungen nach und nach verblassen, vergisst auch das Internet mit der Zeit: So sind Inhalte von vor einigen Jahren kaum noch zu finden. (Dazu gehören zum Glück fast alle „auf den Internet-Explorer optminierten“ Webseiten.) So gesehen hat das Internet viel Ähnlichkeit mit einem Menschen: Was nicht (mehr) interessiert, wird vergessen. Ganz von allein. Aktiv vergessen kann man nicht. Und was passiert, wenn besondere Umstände dafür sorgen, dass man nicht mehr auf Wissen zurückgreifen kann, weiß Sigmund Freud zu erklären[2].

Privatsphäre im Netz

Privatsphäre im Netz: Mehr Schein als Sein.

Große soziale Netzwerke bieten uns sogenannte „Privatsphäre-Einstellungen“ an, in denen wir festlegen können, wer Zugriff auf unsere Daten haben soll. Grundsätzlich sollte klar sein, dass jede Einstellung außer „alle“ schon aus technischen Gründen falsch ist: Mindestens der Betreiber, also beispielsweise Facebook oder Google, hat zusätzlich zugriff auf die Daten – und nutzt diese zum Beispiel zu Werbezwecken. Gleiches gilt für alle Stellen, welche von den Daten passiert werden, also Provider, etc.[3] Aber selbst wenn man dieses – vielleicht schon technische – Detail außer Acht lässt, kann man im Internet nur sehr bedingt von Privatsphäre sprechen. Alles, was wir im Internet tun und kommunizieren, wird aufgezeichnet. Und selbst wenn diese Daten nicht ausgewertet werden, und nur ein begrenzter Personenkreis zugriff darauf hat, bleibt die Möglichkeit, dass jeder einzelne „private“ Moment 1:1 nach außen gekehrt wird. Man kann nicht nur ausplaudern, was eigentlich vertraulich gedacht war, man kann den genauen Wortlaut veröffentlichen.

Somit ist herrscht selbst in einem Internet, welches nach den Vorstellungen der schärfsten Datenschützer konzipiert wurde, eine Privatsphäre wie direkt unter einer Überwachungskamera – zu deren Aufzeichnungen aber nur die eigenen Freunde Zugriff haben. In wie fern man das als privat ansehen möchte, ist jedem selbst überlassen. Einen Einblick, wie dieses Maximalmaß erreicht werden kann, zeigt die Free Software Foundation. Dort werden die Daten der Mitglieder zwar online verwaltet, allerdings werden sie blind geändert und nicht einmal dem Mitglied selbst im Webinterface angezeigt. Dort heißt es:

Although we try to make this website as safe as possible, no website will ever be considered “secure for personal data” by us. That is why the system running this website does not store your personal data. All data are stored on another machine that is both physically and network-wise secured. For that reason, it is not possible to show your settings on this page.

Fazit

Im Internet ist ein Maß an Privatsphäre, wie wir es offline gewöhnt sind, nicht mit dem Komfort zu erreichen, den die meisten Nutzer einfordern. De Facto handelt es sich bei „Privatsphäre-Einstellungen“ um Augenwischerei, die dem Nutzer eine nicht vorhandene Vertraulichkeit suggerieren soll, damit er mehr Daten Preis gibt, als er sonst würde. Eine Veröffentlichung nur für eine begrenzte Gruppe ist nur schwer machbar[4]. Da das Netz aber entgegen dem etablierten Mythos sehr wohl vergisst, sind die Folgen wahrscheinlich nicht so schlimm, wie uns einige Menschen glauben machen wollen. Der Schritt jedoch, aus diesen Erkenntnissen eine Post-Privacy-Bewegung zu begründen, in der man alles nach außen kehrt, ist mindestens gewagt. Nur, weil es im Internet keine Privatsphäre gibt, muss man sie nicht auch sonst abschaffen.

  1. [1] Auf die zweifelhaften „Möglichkeiten“ von DRM möchte ich hier nicht eingehen, da sie den meisten Menschen ohnehin nicht zur Verfügung stehen.
  2. [2] Womöglich lassen sich sogar Parallelen zwischen der Verdrängung und dem Streisand-Effekt belegen.
  3. [3] Über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werde ich wohl demnächst mal schreiben. Ein Anlass dazu wird sich bestimmt bald ergeben.
  4. [4] Auch hier wären wir wieder beim Thema DRM. Und wenn man auf den Versuch von nach Ländern gestaffelten Releasedaten schaut, sieht man, dass auch dieser Versuch selbst bei gigantischen Budgets nur sehr begrenzt funktioniert.

by Patrik Schönfeldt at 2012/02/08, 11:46:10

Stigma Videospiele

Drei Kleinigkeiten

(newsclick) In einem kleinen Artikel einer lokalen Zeitung wird über eine Schreibwarenhändlerin berichtet, die wegen des Amoklaufs von Winnenden ”Zeitschriften mit Gewalt DVDs” aus ihrem Sortiment verbannt hat. Sie finde, “dass gewaltverherrlichende Spiele für Jugendliche zu leicht verfügbar sind” bzw. “gar nicht produziert oder zumindest strenger geprüft werden” sollten. Die bestehende Prüfung, für die nach der Autorin “die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle [...] zuständig” sei, würde ungenügend sein. Schließlich sei für die Entscheidung ein einfacher Gedanke ausschlaggebend gewesen:

Damals habe ich darüber nachgedacht, dass zwar nicht alle Menschen, die diese Spiele spielen, zu Amokläufern werden, aber alle Amokläufer vorher diese Spiele gespielt haben.”

Hierzu sei kurz angemerkt:

- Auch wenn es selbst in der taz steht: Es haben nicht “alle Amokläufer vorher diese Spiele gespielt“. Nach einer US-Studie waren es vor 2001 nur 12 % der Täter und eine Studie aus Deutschland stellte bloß bei 4 von 7 Tätern ein dahingehendes Interesse fest. Unter anderem in Blacksburg, Ansbach und St. Augustin kamen die Täter ohne Videospiele aus.

- Von Spielegegnern wird immer gerne betont, dass die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle – also die “Industrie” – über die Kennzeichnung von Spielen entscheide. Tatsächlich ist es jedoch so, dass ein unabhängiges Gremium prüft und der Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden die Kennzeichung in Form eines staatlichen Verwaltungsaktes vornimmt.

- Im Artikel werden etwas unvorsichtig Begriffe durcheinander geschmissen: So kritisiert man unter anderem “Killer-Spiele” und “gewaltverherrlichende Spiele“. Während der erste Begriff bloß unsachlich ist, sollte man bei der Verwendung des zweiten aufpassen: Gewaltverherrlichende Spiele sind solche, die Gemäß § 131 StGB verboten sind. Ich gehe nicht davon aus, dass solche Inhalte den DVDs von Zeitschriften beiliegen. Selbst jugendgefährdende Titel dürften Tabu sein, so dass es sich tatsächlich nur um jugendbeeinträchtigende Spiele handeln kann.

Zum Artikel

by Rey Alp at 2012/02/08, 09:05:54

07. Februar 2012

Stigma Videospiele

Skyrim vegan gespielt

(via worldofelderscrolls) Wo Tierrechtsorganisationen sich regelmäßig darüber beklagen, wenn in Videospielen neben Menschen auch Tiere getötet werden können oder die Spielfigur Pelz trägt, hat sich Harald Fränkel an ein Experiment gewagt: Kann Skyrim vegan gespielt werden? Wer die Antwort erfahren möchte kann ein Blick auf die beiden Videos riskieren:

- Teil 1
- Teil 2

by Rey Alp at 2012/02/07, 11:38:27

06. Februar 2012

VDVC-Blog

Proteste gegen ACTA

Protest gegen ACTA

Am kommenden Samstag, den 11. Februar, gibt es in zahlreichen Städten in Deutschland und ganz Europa Demonstrationen und Aktionen gegen das ACTA-Abkommen. Dieses richtet sich dem Namen nach gegen Fälschungen, verschärft aber auch das Urheberrecht. Es bringt Gefahren nicht nur für uns als Computerspieler, sondern für die komplette Bevölkerung mit sich, daher hat sich ein breites Bündnis gebildet, um ACTA zu verhindern. Wir rufen euch auf, an den Demonstrationen Teil zu nehmen und die Petition gegen ACTA zu unterzeichnen.

Warum sind wir gegen ACTA?

  • ACTA gefährdet Menschenleben: Harte Sanktionen im Transit sollen den Zugang zu kostengünstigen Medikamenten (Generika) erschweren. Die Leidtragenden sind zumeist Menschen in Entwicklungsländern, welche sich die teure Medizin aus den Industriestaaten nicht leisten können.
  • ACTA bedroht das freie Internet: Provider und Webseiten-Betreiber sollen ermutigt werden, ihre Nutzer zu überwachen und Inhalte herauszufiltern. “Freiwillige” Lösungen zwischen privaten Akteuren werden durch das ACTA-Abkommen gefördert. Dadurch werden unsere Grundrechte in die Hände der Wirtschaft gegeben.
  • ACTA zementiert das veraltete Urheberrecht: Das Abkommen soll eine Grundsatzentscheidung treffen, damit alte und überkommene Geschäftsmodelle in die nächsten Dekaden gerettet werden. Dadurch stellt sich ACTA gegen Innovation und zeitgemäße Modelle, die den Interessen von Nutzern und Kreativen Rechnung tragen. Die rasanten Umbrüche der modernen digitalen Welt werden ignoriert.
  • ACTA entwertet alte Software: Es wird neben der Verbreitung auch die nicht autorisierte Nutzung unter Strafe gestellt. Ausnahmen hierzu gibt es nicht einmal für verwaiste Werke (z.B. Abandonware), deren Urheber nicht mehr ermittelbar sind.
  • ACTA schränkt die Kreativität ein: Das Abkommen nimmt keine Rücksicht auf „Fair Use“ oder das Eigentumsrecht der Nutzer. „Let’s Play“s, Screencasts, (Meme-) Bilder und Fan-Patches werden kriminalisiert. Sogar für Satiren und Parodien gibt es keine Ausnahmen.
  • ACTA ist undemokratisch und hinter verschlossenen Türen verhandelt worden. Während Vertreter der Pharma-, Film- und Musikindustrie mitreden durften, wurden gewählte Abgeordnete und die Zivilgesellschaft ausgeschlossen. Nationale Parlamente oder das EU-Parlament durften also nicht mitreden, sie können nun lediglich zustimmen oder ablehnen. Sogar die Einsicht in die Verhandlungsprotokolle wurde verweigert.

Wie ist der Stand?

Stopp ACTA!

ACTA wurde im Geheimen ausgehandelt und auf EU-Ebene bereits an der Öffentlichkeit vorbei in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Agrar- und Fischereirats(!) unterzeichnet. Doch noch müssen das Europaparlament und die Parlamente vieler Mitgliedsstaaten abstimmen, ob das Abkommen angenommen wird. Nach massiven Protesten wurde die Ratifizierung zumindest in Polen bereits gestoppt. Auch wir können das schaffen. Nehmt am Protest Teil!

Quellen
Allgemeine Argumente gegen ACTA: Stopp ACTA Berlin
Argumente gegen ACTA mit Bezug zu Computerspielen: VDVC Wiki

by Patrik Schönfeldt at 2012/02/06, 11:39:04

03. Februar 2012

Stigma Videospiele

Oklahoma: Steuer auf Videospiele?

(kotaku) William Fourkiller, Mitglied des Repräsentantenhauses in Oklahoma, möchte eine Steuer in Höhe von einem Prozent auf Videospiele ”with a teen, mature, or adult only rating” erheben. Bei einem 50 $ Spiel würden somit 50 Cent anfallen, die in Programme gegen Fettleibigkeit bei Jugendlichen und Mobbing investiert werden sollen:

Violent video games contribute to some of our societal problems like obesity and bullying, [...] but because they raise a lot of revenue, they can also provide part of the solution.”

Zur Meldung

by Rey Alp at 2012/02/03, 10:03:59

29. Januar 2012

Stigma Videospiele

Steuer auf Videospiele – Rechtlich zulässig?

Jüngst wurde in Österreich durch einen Elternverband eine „Gewalt-Steuer“ für Videospiele ins Gespräch gebracht: Wer Gewalt verbreite solle auch einen Beitrag für die Prävention liefern. Hierzulande wurde bereits vom ehemaligen niedersächsischen Justizminister Pfeiffer eine Abgabe von 25 Cent pro verkauftem Spiel zur Bekämpfung der Computerspielsucht gefordert, während der Vorsitzende des Frankfurter Zukunftsrats Pohl Gewaltvermittlung so teuer machen will, dass sie sich „nicht mehr lohnt“. Andere, wie der Psychologe Spitzer, fordern ebenfalls Gewalt durch eine Besteuerung zu verteuern oder zu verbieten.

Doch ist so etwas überhaupt rechtlich zulässig? Wir haben Michael Kaiser vom Steuerrechtblog um eine Einschätzung gebeten.

Stigma:

Von Spielern wurden solche Vorschläge als abstrus sowie als verdeckte „Zensur“ abgelehnt. Doch wie abwegig sind solche Ideen wirklich? Kann der Staat einfach von heut auf morgen die Einführung einer neuen Steuer beschließen?

Michael Kaiser:

Kurz und knapp: Ja.

Solange sich der Staat (bestehend aus dem Bund, den Ländern, sowie den Gemeinden) an die in den Artikeln (Art.) 105 ff. Grundgesetz (GG) definierten Regelungen hält, kann er grundsätzlich neue Steuern erfinden. Diese müssen sich weiterhin, neben den oben genannten Regelungen, natürlich auch an den Grundrechten, insb. Art 3 Abs. 1 GG, messen lassen.

Zunächst ist dabei zu klären, welche staatliche Teilkörperschaft nach Art. 105 GG die Steuergesetzgebungshoheit hat. Dazu sind dort einige Reglungen vordefiniert (Bund oder Land). Die Gemeinden sind nach dem GG zunächst nicht berücksichtigt. In den meisten Landesverfassungen und / oder Kommunalabgabengesetzen (KAG) ist das Steuererfindungsrecht der Länder bzgl. „örtlicher Verbrauchs- und Aufwandssteuern“ jedoch auf die Gemeinden delegiert (s. etwa § 1 Abs. 1 KAG NRW).

Stigma:

Werden dadurch nicht die Grundrechte, wie beispielsweise die der Meinungs- und Informationsfreiheit, verletzt?

Michael Kaiser:

Diese Frage kann so pauschal nicht beantwortet werden. Natürlich ist es jedoch möglich, dass eine neue Steuer, wie oben bereits dargestellt die Grundrechte oder andere Verfassungsnormen verletzt und daher angreifbar ist. Diese Frage kann jedoch nur anhand der konkreten Ausgestaltung der Steuer und deren Auswirkungen (Stichwort „Verbot einer Erdrosselungssteuer“) geprüft werden.

Stigma:

Inwieweit braucht es eigentlich eine Art Rechtfertigung für die Besteuerung eines Produkts? So geht es bei Steuern doch in erster Linie darum Einnahmen zu generieren.

Michael Kaiser:

Diese Frage wirft das Grundgesetz und ihm folgende die herrschende Meinung grundsätzlich nicht auf. Die Frage „ob“ Steuern zur Finanzierung des Staates zulässig wird in einer breiten Basis bejaht.

Lediglich die Frage nach dem „wie“ bedarf aus Sicht der Rechtswissenschaft einer Rechtfertigung. Neben den allgemeinen Anforderungen aus dem Grundgesetz, der Gleichmäßigkeit (Art. 3 Abs. 1 GG) und Gesetzmäßigkeit der Besteuerung (Art. 2 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 3 GG).

Dabei hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entschieden, dass der Steuergesetzgeber auch außerfiskalische Förderungs- und Lenkungsziele aus Gründen des Gemeinwohls verfolgen darf (etwa: BVerfGE 117, 1, 31 oder BVerfG NJW 2009, 48).

Stigma:

Wieweit dürfen solche „Lenkungssteuern“ – wie sie z.B. bei der Besteuerung von Kampfhunden existieren – gehen? Kann es angehen, dass versucht wird ein eigentlich legales Verhalten durch Steuern zu unterbinden?

Michael Kaiser:

Diese Lenkungssteuern bedürfen, wiederum anhand der konkreten Ausgestaltung der Steuer, einer Rechtfertigung anhand von „Gründen des Gemeinwohls“. Diese Gründe müssen derart durchgreifend sein, dass sie einen Verstoß gegen das grundlegende Prinzip der Besteuerung nach der individuellen Leistungsfähigkeit rechtfertigen können.

Heute sind derartige Sonderbelastungen in der Regel im Umweltrecht zu finden (z. B. Bemessung der Kfz-Steuer nach Schadstoffausstoß). Ein weiteres Beispiel ist auch die bereits genannte „Kampfhundesteuer“. Auch ist jedoch abschließend festzuhalten, dass eine Steuer keinesfalls erdrosselnd wirken darf. Damit mach sich der Staat aus Sicht der Rechtswissenschaft nämlich zumindest unglaubwürdig. Er muss vielmehr direkt etwa gegen Kampfhunde oder Gewaltspiele vorgehen und diese direkt (per Gesetz) verbieten und nicht erst durch die „Hintertür“ der Besteuerung.

Stigma:

Wann tritt diese „erdrosselnde Wirkung“ ein? Bei Kampfunden wurde beispielsweise vom VGH Mannheim entschieden, dass bei einem Kampfhund mit 600 € pro Jahr mehr als das sechsfache als bei einem ungefährlichen Hund verlangt werden darf. Welcher Preis wäre für ein heute 60 € kostendes Videospiel noch angemessen?

Michael Kaiser:

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es hängt hier wieder vom Einzelfall ab. Im Falle des genannten Beispiels würde, im Rahmen einer solchen Steuer als Argument herhalten können, dass ausgeschlossen werden soll, dass Jugendliche sich dieses Spiel leisten können; verdienende Erwachsene dagegen schon. Ob die Grenze hier bei 500 € oder erst bei 1.000 € liegt, kann ich nicht mit Sicherheit behaupten. Darüber hinaus würde ich in jedem Fall eine erdrosselnde Wirkung annehmen.

Stigma:

Bei der Kampfhundesteuer wurde oftmals ein Verstoß gegen das Gleichheitsgebot vermutet, da ja nur bestimmte Rassen benannt wurden. Wäre bei einer isolierten Besteuerung von „Gewaltspielen“ bzw. solchen, bei denen eine erhöhte Suchtgefahr vermutet wird, ähnliches zu vermuten? So gibt es Gewalt ja auch in Filmen, Musikstücken und natürlich auch im Theater.

Michael Kaiser:

In dieser Richtung würde ich im Falle einer Verfassungsbeschwerde auch argumentieren. Auch bei Shakespeare floss bereits reichlich Blut, was in heutigen Inszenierungen meistens künstlerisch überspielt wird. Aber auch hier stellt sich letztlich die Frage, ob der Gesetzgeber einen Verstoß gegen den Gleichheitssatz noch mit dem Allgemeinwohl rechtfertigen kann. Diese Antwort wird letztlich auch nur das Bundesverfassungsgericht liefern können.

Stigma:

Die Frage, ob exzessives Spielen süchtig machen kann, ist ebenso wie die nach einer schädlichen Wirkung umstritten. Braucht es für eine Besteuerung eine Gewissheit? So musste der Gesetzgeber ja schon beim Verbot gemäß § 131 StGB auf seine Einschätzungsprärogative zurückgreifen.

Michael Kaiser:

Hier ist der Kern der Antwort bereits in der Frage enthalten: Einschätzungsprärogative.
Das Bundesverfassungsgericht billigt der Regierung (was auch vernünftig und notwendig ist) einen gewissen Spielraum bei der Bewertung von Fragen zu, die noch nicht geklärt sind oder nie grundsätzlich geklärt werden können. Damit können die Regierungen auch ihre zugrunde liegende Weltanschauung, alles natürlich nur im bestehenden verfassungsrechtlichen Rahmen, verwirklichen.

Die (Verfassungs-) Rechtsprechung greift erst bei dem überschreiten einer gewissen Grenze („Verbot einer Erdrosselungssteuer“) ein.

Stigma:

Angesichts des Umstands, dass es hierzulande regional doch Unterschiede bei der Haltung gegenüber Videospielen gibt: Wer dürfte eigentlich eine solche Steuer erheben? Bund, Länder oder Kommunen? Wäre es denkbar, dass beispielsweise allein Bayern und Niedersachsen eine solche Steuer einführen?

Michael Kaiser:

Ja, denkbar schon. Auch wenn viele es nicht wissen, sind nach der deutschen Verfassung grundsätzlich immer die Länder zuständig, es sei denn, dem Bund wurde die Aufgabe oder Kompetenz zugewiesen. Hier gilt das oben bereits erwähnte, dass nach Art. 105 Abs. 2a GG die Länder die Steuergesetzgebungshoheit über die örtlichen Verbrauch- und Aufwandsteuern haben, solange und soweit sie nicht bundesgesetzlich geregelten Steuern gleichartig sind.

Stigma:

Schon heute sind viele Videospiele in Deutschland nicht, oder nur geschnitten erhältlich, so dass sie aus dem Ausland importiert werden. Würde eine solche Steuer auch beim Import anfallen?

Michael Kaiser:

Das hängt natürlich von der konkreten Ausgestaltung der Steuer. Wenn etwa nur der innerdeutsche Verkauf besteuert wird, dann nicht. Allerdings würde ich befürchten, dass in einem solchen Fall auch der Import einbezogen wird.

Stigma:

Gäbe es für Spieler eine Möglichkeit gegen eine solche Steuer vorzugehen, oder wäre dies den Verlegern der Spiele möglich?

Michael Kaiser:

Die Möglichkeit der Klage bzw. letztlich der Verfassungsbeschwerde besteht natürlich immer. In den letzten Jahren sogar vermehrt bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) oder dem Europäischen Gerichtshof für Menschrechte (EGMR).

by Rey Alp at 2012/01/29, 13:16:38

27. Januar 2012

Green Ninja

Ich bin unzurechnungsfähig!!

Das Aktionsbündniss Winnenden hat einen neuen Flyer herausgeben. Und glaubt man diesem, dann haben die Gamer eh keine Ahnung wenn sie von Gewalt in Spielen reden. Denn...
Erwiesen ist:
3. dass subjektive Aussagen und Selbstinterpretationen von Gamern („Ich bin nicht aggressiv geworden“) bedeutungslos sind – auch nach dem Genuss von zu viel Alkohol fühlt man sich fahrtüchtig.
Ein weiterer Fall von "einfach mal die Glaubwürdigkeit der Gegenseite untergraben", damit hat das Aktionsbündniss ja Erfahrung. Der Vergleich mit Alkohol ist auch super! Jetzt kann mein Bruder endlich aufhören sich darüber aufzuregen, dass ich kaum trinke. Offensichtlich stehe ich bereits stark unter dem Einfluss anderer bewusstseinsverändernden Substanzen.

Ich hatte wirklich gedacht, dass es so langsam mal ruhiger wird, aber da hab ich mich wohl zu früh gefreut. Insgesamt ist der "Flyer für Lehrer" mal wieder vollgestopft mit irgendwelchen Belegen und Ergebnissen von denen ich grade zum ersten mal höre. Besonders schlecht wird mir bei diesem Abschnitt:
Viele Schüler haben Probleme mit der Schule, zu Hause, mit Freunden und mit sich selbst. Manche fühlen sich allein gelassen, hilflos und sehen keinen Ausweg. Manche denken dabei an Selbstmord, andere fühlen sich gedemütigt und versuchen ihren Frust loszuwerden, indem sie sich in permanente Ablenkung durch virtuelle mediale Gewalt flüchten - und werden gewalttätig um ihre vermeintliche Ehre wieder herzustellen.
Man könnte ja einen Teil der knapp bemessenen Flyer-Fläche dazu nutzen Methoden vorzuschlagen um genau so etwas zu verhindern. Aber hier werden nur die Symptome bekämpft, nicht die Ursache! Wie kann ich so einen Text schreiben, über Probleme und Demütigung und Selbstmordgedanken und sich dann wieder sofort auf die Spiele stürzen? Ich mein, Hallo?! Geht's noch?!

Das Design ist auch wieder große Klasse! Auf Flyern und Postern vom AAW finden sich mehr Einschusslöcher als in offiziellem Werbematerial zu Bulletstorm. Da denken die Leute auch konstant an Gewalt wenn sie den Flyer in den Händen halten. Es ist noch nicht mal sonderlich subtil, weil die Einschusslöcher ziemlich schlecht in das Gesamtbild eingebaut wurden. Und dann auch noch das Fadenkreuz und die Patronen auf der Entertaste als Cover. Ihr Photoshop-fu ist echt zum schießen *badum-tish*

Ich gebe zu, ich bin aus dem "Risiko-Alter" über das man hier klagt schon lange raus. Aber wie hier schon wieder alles in einen Topf geworfen wird! Mobbing, Spielsucht (natürlich ohne Definition), Gruppenzwang und all das unter dem Aufhänger der Brutale Computerspiele (Blücher). Fucking Mobbing wird direkt mit Gewaltspielen (Blücher) in Verbindung gebracht.

Dass die Leute immer noch keine Ahnung haben wovon sie da reden ist klar. Wer legt schießen schon auf die Entertaste?

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2012/01/27, 11:53:57

VDVC-Blog

AAW Flyer: Aussagen von Gamern sind bedeutungslos

Das Aktionsbündniss Winnenden hat einen neuen Flyer herrausgegeben, mit dem sie Lehrer über die Gefahren von “Gewaltspielen” aufklären möchten. Neben einem scheinbaren Zusammenhang zwischen diesen Spielen und Mobbing, zeigt der Verantwortliche Dr. Rudolf H. Weiß auch, warum die Gamer selbst in dieser Diskussion ignoriert werden können:

Erwiesen ist:
3. dass subjektive Aussagen und Selbstinterpretationen von Gamern („Ich bin nicht  aggressiv geworden“) bedeutungslos sind – auch nach dem Genuss von zu viel Alkohol fühlt man sich fahrtüchtig.

Flyer für die Lehrkraft

by Konrad Huber at 2012/01/27, 10:49:16

21. Januar 2012

VDVC-Blog

Open Origin: Alternative oder Fake?

Open Origin

Nach und nach ändern sich Kleinigkeiten bei Origin. So behauptet der Lizenzvertrag seit gut einer Woche nicht mehr, englischem Recht zu unterliegen. Nun gibt es aber eine echte Überraschung: Bald schon könnte es ein Origin ohne DRM und Spywareverdacht geben.

Auf der Webseite Sourceforge, die freien Software-Projekten ein Zuhause bietet, ist schon Anfang des Monats Open Origin aufgetaucht. Der eigenen Beschreibung zufolge ist Open Origin ein „Tool, um Origin-basierte Spiele zu verwalten“. Was zunächst nach einem Fake aussieht, könnte in der Tat echt sein: Recherchen von Gamona zufolge, handelt es sich beim Autoren „dmax“ um einen Mitarbeiter in EAs Security Risk Management Team. Dafür spricht auch, dass eine Ankündigung mit einem EA-Forenaccount gemacht wurde.

Screenshot

Open-Source – also die Veröffentlichung des Programmcodes – bedeutet zunächst einmal, dass man genau nachlesen kann, was genau das Programm macht. Das ist zwar in der Spielebranche immer noch eine Seltenheit – viele Entwickler wollen nicht verraten, wie sie etwas programmiert haben – doch gibt es Positivbeispiele. So fährt auch der Steam- und Origin-Konkurrent „Desura“ eine Open-Source-Strategie, während unter den größeren Entwicklern vor allem id-Sofware einen guten Ruf genießt, da der Quellcode von älteren Spielen (wie Doom 3) freigegeben wird. Und etwas Erfahrung hat auch EA mit Open Source: Der Publisher benutzt freie Software zur Entwicklung der eigenen Produkte.

Wahrscheinlich handelt es sich bei Open Origin um ein Projekt, das auf einen einzelnen EA-Mitarbeiter zurück geht. Hoffen wir, dass er von seinem Arbeitgeber Unterstützung und keine Kündigung bekommt.

by Patrik Schönfeldt at 2012/01/21, 21:18:59

19. Januar 2012

Stigma Videospiele

“Viele Forschungsergebnisse sind kaum belastbar”

(telemedicus) Bei telemedicus findet sich ein Interview mit dem Diplom-Psychologen Malte Elson, der den Einfluss von Videospielen betreffend in einer Studie die Methoden der Wirkungsforschung untersucht hat. Das Ergebnis:

Meine Studie hat gezeigt, dass die bisherige Forschungsmethodik eine eindeutige Interpretation der Ergebnisse nicht zulässt. Ich halte es deshalb für bedenklich, politische Entscheidungen, die auf Wertvorstellungen beruhen, mit Forschungsergebnissen zu untermauern, die eine solche Argumentation einfach nicht hergeben.”

Zum Interview

by Rey Alp at 2012/01/19, 09:08:51

18. Januar 2012

VDVC-Blog

Spielepetition erneut abgelehnt

Vergangenen November wurde die vom VDVC und Stigma-Videospiele verfasste Petition gegen ein Verbot gewaltdarstellender Videospiele sowie die indizierte Titel auf ein Level mit der “keine Jugendfreigabe”-Kennzeichnung gleichzusetzen, vom Petitionsausschuss blockiert. Die Begründung damals war, dass sie einer anderen Petition zu ähnlich sei, was aber schlicht und ergreifend nicht stimmte.

Nun wurde die Petition zwar erneut geprüft, aber auch erneut abgelehnt. Die Begründung: Es bestehe weder Handlungsbedarf noch Erfolgsaussichten:

«Nach Prüfung aller Gesichtspunkte ist der Ausschussdienst zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungsprioritäten auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint. Diese Auffassung stützt sich insbesondere auf folgende Erwägungen:Die Medien dienen der demokratischen Gesellschaft der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung. Artikel 5 des Grundgesetzes gewährleistet sowohl das Recht auf freie Meinungsäußerung und -verbreitung als auch die Freiheit der Berichterstattung durch die Medien. (…) Dieses Grundrecht findet allerdings dort seine Schranken, wo dies durch Vorschriften der allgemeinen Gesetze (…) bedingt ist (Art. 5 Abs. 2 des Grundgesetzes).»

(Es folgt eine Aufstellung zur aktuellen Rechtslage.)

«Aus den dargestellten Gründen ist kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf im Sinne Ihrer Petition erkennbar. Die Regelungen sind erforderlich, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jugendgefährdenden Medieninhalten zu gewährleisten.»

«Weil Ihre Petition nicht den gewünschten Erfolg haben werden, sieht der Ausschuss von einer Veröffentlichung auf der Internetseite des Petitionsausschusses ab. Diese Entscheidung erfolgte auf der Grundlage der „Richtlinie für die Behandlung von öffentlichen Petitionen“ (Pkt. 4e) gemäß Ziffer 7.1 (4) der Verfahrensgrundsätze, die unter www.bundestag.de/Petitionen veröffentlicht sind.»

Und das ist die offizielle Begründung. Auch wenn rein juristisch gesehen alles rechtens verlaufen ist, lässt einen diese Antwort doch am Sinn des gesamten Konzepts von Bürgerpetitionen zweifeln.

Wir werden aber auf jeden Fall am Ball bleiben. Und auch in der Politik ist die Reaktion auf Unverständnis gestoßen. Der Freiburger Pirat Florian hat sich bereits mit der Berliner Fraktion in Verbindung gesetzt und auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz will sich das ganze noch mal anschauen.

by Konrad Huber at 2012/01/18, 20:38:16

14. Januar 2012

Green Ninja

Umsetzung scheint ausgeschlossen.

Für den Fall, dass ihr noch irgendwelches Vertrauen in das Konzept von Bürgerbeteiligung in der Politik hattet, hier habe ich ein Heilmittel.
Die große Petition gegen Indizierung vom VDVC und Stigma-Videospiele an der ich mitgearbeitet habe wurde nach einigen Verzögerungstaktiken nun offiziell abgelehnt. Stigma-Videospiele hat die ganze Geschichte, entscheidend ist letztlich aber nur der folgende Satz:
Die Petition werde nicht zugelassen, weil sie “nicht den gewünschten Erfolg haben wird“. Dies sei der Fall, da “eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungspriorität auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint“.
Ich danke hiermit dem Petitionssausschuss, dass sie schon im Vorraus sagen konnten, ob die Petition sinnvoll ist oder nicht. Da hat man doch gleich wieder das Gefühl als Bürger ernst genommen zu werden.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2012/01/14, 22:30:49

Stigma Videospiele

Petition gegen Zensur abgelehnt: Entspreche nicht der gegenwärtigen Handlungspriorität der Bundesregierung

Gemeinsam mit dem Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) hat stigma-videospiele.de am 14.04.2011 eine Petition auf den Weg gebracht, die sich gegen das bestehende Verbot gewaltverherrlichender Videospiele (§ 131 StGB) sowie gegen die Indizierung (§ 15 JuSchG) in ihrer jetzigen Form richtet. Der Nutzen beider Maßnahmen ist umstritten, rechtfertigen lassen sich beide Gesetze kaum – schließlich wirkt der Index, entgegen der Intention des Gesetzesgebers, faktisch wie ein Verbot, während beim regulären Verbot Verstöße gegen Bestimmtheits- und Übermaßverbot nahe liegen.

Nachdem der Petitionsausschuss die Freischaltung zunächst deswegen ablehnte, weil diese mit der Petition Schleußers inhaltsgleich sei, zieht man sich nun auf den wohl grotesksten Ablehnungsgrund zurück: Die Petition werde nicht zugelassen, weil sie “nicht den gewünschten Erfolg haben wird“. Dies sei der Fall, da “eine Umsetzung Ihres Anliegens angesichts der gegenwärtigen Handlungspriorität auf diesem Gebiet ausgeschlossen erscheint“.

Gerade wegen “der gegenwärtigen Handlungspriorität” der Bundesregierung bei der Zensur von Videospielen wurde die Petition auf den Weg gebracht. Wenn durch Petitionen nur für solche Anliegen Unterstützer gesammelt werden könnten, die ohnehin im Sinne der Bundesregierung sind, erschließt sich mir der Sinn einer Petition nicht in Gänze.

Unvorteilhafterweise findet sich dieser Ablehnungsgrund jedoch auch in der Richtlinie für die Behandlung von öffentlichen Petitionen wieder (Pkt. 4e):

Von einer Veröffentlichung kann abgesehen werden, insbesondere wenn [...] die Petition offensichtlich erfolglos bleiben wird.”

Inhaltlich werden Verbot und Indizierung mit der Begründung gerechtfertigt, dass dies wegen “des Schutzes von Kindern und Jugendlichen” nötig sei, obwohl nach juristischen Kommentaren das Verbot betreffend “ein “Schutz des Einzelnen vor der Fehlentwicklung zu einer aggressiven Haltung” [...] eine Drohung mit Kriminalstrafe nicht legitimieren” kann. Das gelte “nicht nur für den Bereich des Jugendschutzes, sondern erst recht für das Anliegen einer pädagogischen Einwirkung auf Erwachsene” (Tröndle/Fischer, § 131, Rn. 2).

Da die Indizierung in vielen Fällen praktisch ebenfalls wie ein faktisches Verbot wirkt kann auch hier der Jugendschutz nicht mehr als Begründung für die Maßnahme herangezogen werden. Der Petitionsausschuss stützt sich aber nichtsdestotrotz allein auf den Umstand, dass “für die Bundesregierung [...] der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gefährlichen Medieninhalten ein zentrales Anliegen” sei.

Die Petition soll somit erneut mit einer unzutreffenden Begründung abgewiesen werden, wobei uns noch Gelegenheit für eine Stellungnahme eingeräumt wird. Es bleibt somit spannend, ob der Petitionsausschuss bei seiner Entscheidung bleibt.

- Petition
- Anmerkungen
- Bescheid des Petitionsauschusses
- Richtlinie für die Behandlung von öffentlichen Petitionen

by Rey Alp at 2012/01/14, 13:50:43

11. Januar 2012

Stigma Videospiele

“Panzer Corps: Wehrmacht” – Auf Wertung verzichten?

(eurogamer) Bei eurogamer muss man sich für die Bewertung des Strategiespiels “Panzer Corps: Wehrmacht” rechtfertigen. Nicht für die Höhe der Bewertung, sondern dafür, dass der Titel überhaupt mit einer Wertung bedacht wurde. Der Politikwissenschaftler Jan Rahtje sieht in dem Titel eine Verharmlosung der Verbrechen der Wehrmacht, da bei der Darstellung des Krieges der Völkermord ausgespart wird. In einem Artikel bei eurogamer kommen nun Kritiker und Kritisierter zu Wort und stellen ihre Standpunkte dar.

Jan Rahtje:

Der Vernichtungskrieg der Deutschen wird in einer verharmlosenden Art dargestellt. Ebenso wenig werden die Folgen einer Welteroberung Hitlers für Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und andere reflektiert. [...]  Der Holocaust ist nicht vorhanden. Hitler wird im Falle eines Sieges zu einem “normalen” Feldherrn und nicht zu dem Massenmörder, der er war. Der Zweite Weltkrieg darf – zumindest bei den Nachfahren der Täter – nicht ohne diese Fakten dargestellt werden.”

Martin Woger:

Ja, ich habe das nicht thematisiert. So wenig wie das Spiel das thematisiert. [...] Die Frage, warum überhaupt ein solches Szenario gewählt wird, wenn es den Hintergrund sonst nicht beleuchtet, ist mit den Worten “taktischer Realismus” einfach zu beantworten. [...] Auf diese Ebene heruntergebrochen, ist es wie Schach vor einem anderen Hintergrund. [...] Es bleibt am Ende jedem selbst überlassen, ob er sich mit diesem Szenario zu unwohl fühlt.”

Zum Artikel

by Rey Alp at 2012/01/11, 10:36:28

10. Januar 2012

Stigma Videospiele

Rüstungsunternehmen vs. EA

(pcgames) In Videospielen tauchen regelmäßig Symbole und Gegenstände auf, die sich auch in der realen Welt wiederfinden. Nicht nur ein Automodell in Rennspielen, sondern auch militärisches Gerät kann realen Vorbildern nachempfunden sein. Ob dies ohne Zustimmung der Rechteinhaber geschehen darf ist nicht abschließend geklärt, so dass beispielsweise in der Verkaufsversion von “Counter-Strike” die Namen verfremdet wurden: Dort heißt die “SIG 552″ dann “Krieg 552″. 

Während das rote Kreuz gegen die Verwendung des namensgebenden Symbols in Videospielen vorgeht, schienen sich Rüstungsunternehmen an virtuellen Kopien ihrer Produkte nicht zu stören. Mancherorts wurde auch vermutet, dass Rüstungskonzerne und Staaten Markenrechtsverletzungen dulden, da ihnen die Schleichwerbung in Videospielen gelegen käme. Das hat sich nun geändert: Der Konzern Textron verlangt von EA die Hubschraubertypen AH-1Z Viper, UH-1Y und V-22 Osprey aus dem Spiel “Battlefield 3″ zu entfernen.

Eine Einigung war nicht möglich, so dass EA eine Klage erhoben hat um feststellen zu lassen, dass man ohne Lizenzgebühr zur Darstellung der Hubschrauber berechtigt ist. Ein Urteil, das die Darstellung von Militärgerät von der Entscheidung des Rechteinhabers abhängig machen würde, könnte aber auch aus moralischen Grunden fragwürdig sein: So hätte es Textron dann ebenfalls in der Hand darüber zu bestimmen, ob von dem Unternehmen produzierte Streumunition in Videospielen (kritisch) dargestellt werden darf, die international geächtet ist. In “Battlefield 3″ ist aber offenbar auf deren Darstellung verzichtet worden – die Kampfjets sind mit konventioneller Munition bestückt.

Zur Meldung

(Dank an amegas.)

by Rey Alp at 2012/01/10, 10:36:09

09. Januar 2012

Stigma Videospiele

Videomanipulation: NDR uneinsichtig

Wir hatten bereits berichtet, dass auf Druck des NDR ein Youtube-Video vom Netz genommen wurde, weil dies dem Tatort unzutreffender Weise ein bezahltes Product Placement unterstellte. Ohne diesen Schritt hätten nach Einschätzung des NDR “Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes [...] wahr ist” bzw. das Video die fragliche Behauptung “weiterhin unwidersprochen [...] aufstellen können”.

Das vom NDR produzierte Politmagazin Panorama strahlte am 22.02.2007 mit dem Beitrag “Killerspiele im Internet” jedoch ebenfalls einen “manipulativen Zusammenschnitt” aus, der nach wie vor – ohne einordnende Ergänzung – auf der Webseite von Panorama online als Stream abrufbar ist.

Wir waren verwirrt, warum es allein dem NDR gestattet sein soll, einen “manipulativen Zusammenschnitt [...] weiterhin unwidersprochen” zeigen zu dürfen, wodurch ebenfalls die Rechte “einer ganzen Reihe von Menschen [...] verletzt” werden. Eine Anfrage von uns, ob man uns diesen scheinbaren Widerspruch erklären könne, wurde nun erwartungsgemäß unbefriedigend beantwortet:

“Wir haben zu Ihrer Kritik im Jahr 2007 ausführlich geantwortet und haben unseren Ausführungen von damals nichts hinzuzufügen.”

Das NDR ist demnach weiterhin der Ansicht, dass:

- die Aussage richtig sei, wonach der Spieler in Call of Duty “möglichst viele Menschen töten” müsse, “je blutiger desto besser“. Es gibt im Mehrspielermodus zwar auch die Spielvariante Deathmatch, in der tatsächlich derjenige mit den meisten Abschüssen gewinnt, doch hinsichtlich der Brutalität bleibt der NDR einen Beleg schuldig.

- die Formulierung, dass einer Tätigkeit gleichermaßen durch “Familienväter, Schüler, Nazis” nachgegangen werde, eine vortreffliche Wahl sei um wertungsfrei “zum Ausdruck bringen, das es ein breites Spektrum von Spielern gibt“. Man meint hiermit nicht – ich betone nicht – “Spieler von Call of Duty als „Nazis“ verunglimpft zu haben“.

- man eine Szene nicht manipuliert habe, in dem man das einem Scherz geltende Lachen eines Spielers hinter den Beschuss einer Leiche schnitt. Es gibt zwar selbst der Intendant zu, dass “diese „Freude“ nach einem Treffer[…] eingeschnitten” wurde, aber man ist in dem Glauben, dass dieser Vorgang “dem […] Spielverlauf” entsprechen würde. Auch die Redaktion betont, dass Spieler sich freuen würden, wenn sie, “Treffer landen”. Das mag – bei “lebenden” Gegnern – stimmen, doch bei Panorama wurde gezeigt, wie der Inhalt des angebrochenen und des nachgeladenen Magazins in eine Leiche verschossen wurde. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch spielerisch sinnbefreit. Offenbar haben Spielinhalte schlicht den Vorstellungen des NDR zu entsprechen so dass es auch unerheblich ist, wenn sich mit Ingolf Wichmann der gezeigte Spieler von der Szene distanziert.

- die GTA: San Andreas durch die “Hot Coffee”- Mod hinzugefügten konsensualen sexuellen Handlung “möglicherweise auch als Vergewaltigung” gewertet werden könnten, wobei auch nach dem Verständnis des NDR die Formulierung des angeblichen Spielziels, dass der Spieler “möglichst viele Frauen vergewaltigen” müsse, “etwas verkürzt” ist. Die Behauptung ist natürlich nicht “verkürzt” sondern schlicht Banane, aber ohne VW gibt’s beim NDR offenbar keine Korrekturen.

Ich habe keine Ahnung von Öffentlichkeitsarbeit, aber stärkt dieses Verhalten wirklich das Vertrauen in die Kompetenz des NDR?

- Zum Stream

by Rey Alp at 2012/01/09, 16:03:39

29. Dezember 2011

Patrik Schönfeldt

Skyrim: Abenteuer zu Weihnachten

Um parallel zu laufenden Vorlesungen und abzugebenden Übungsblättern der Versuchung leichter widerstehen zu können, habe ich mir Skyrim zu Weihnachten gewünscht. Der Plan ging auf und schon kurz nach der Bescherung landete der Soundtrack im CD-Player. Und auch wenn das Spiel erst am ersten Weihnachtstag starten wollte, weil die Installation von DVD fehl schlug und Steam sämtliche Daten aus dem Netz zog[1], ging das Abenteuer mit einem geradezu epischen Monolog schon vor der Installation los, mit der EULA, die in einem ausgedruckt 27-seitigen Text präsentiert wurde:

PLEASE SCROLL DOWN TO FIND THE EULA APPLICABLE TO YOU.

EULA applicable to residents of North and South America:
LIMITED SOFTWARE WARRANTY AND LICENSE AGREEMENT
[…]

EULA applicable to residents of the United Kingdom and territories properly receiving the UK export version of the Software.
LIMITED SOFTWARE WARRANTY AND LICENSE AGREEMENT.
[…]

EULA applicable to residents of Australia and New Zealand:
LIMITED SOFTWARE WARRANTY AND LICENSE AGREEMENT.
[…]

EULA applicable to residents of France:
ACCORD DE LICENCE ET GARANTIE LIMITEE DU LOGICIEL.
[…]

EULA applicable to residents of Italy:
GARANZIA LIMITATA DEL SOFTWARE E CONTRATTO DI LICENZA.
[…]

EULA applicable to residents of Germany:
LIZENZ- UND GARANTIEBEDINGUNGEN
[…]

EULA applicable to residents of Spain:
ACUERDO DE LICENCIA y GARANTÍA LIMITADA DEL SOFTWARE.
[…]

Diesen Ansatz kann man durchaus als kreativ bezeichnen, und auch wenn hier offenbar Wert auf die (auch inhaltliche!) Lokalisierung gelegt wurde, hat das Vorgehen bei mir für reichlich Kopfschütteln gesorgt. Allein die kleine Textbox macht es schwierig, die korrekte Version überhaupt zu finden. (Es existieren nicht einmal Sprungmarken zu den jeweiligen Fassungen.)

Neben der Form sind auch einige Punkte bemerkenswert – und zwar teils negativ, teils positiv:

Der Kunde darf das gelieferte Spiel auf jeder ihm zur Verfügung stehenden Hardware […] einsetzen. Wechselt der Kunde jedoch die Hardware, muß er das Spiel von der bisher verwendeten Hardware löschen.

Diese Aussage dürfte dem Sinn von Steam widersprechen. Das Spiel bietet sogar ein Feature an, dass die Spielstände auf mehreren Rechnern synchron gehalten werden. Welchen Sinn sollte das haben, wenn man das komplette Spiel immer wieder löschen sollte, wenn man den Computer wechselt?

Die Entfernung des Kopierschutzes ist unzulässig. Nur wenn der Kopierschutz die störungsfreie Spielnutzung beeinträchtigt oder verhindert […] darf der Kopierschutz zur Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Spiels entfernt werden.

Auch wenn Betehsda hier noch einige Voraussetzungen[2] erfüllt wissen möchte, ist dieser Abschnitt lobenswert. Er stellt nämlich sicher, dass man Skyrim auch in zehn Jahren noch nutzen darf. Hätte man das Recht nicht, könte man das Spiel nicht mehr benutzen, wenn Steam eines Tages abgeschaltet werden sollte.

Gerichtsstand für sämtliche Streitigkeiten aus oder im Zusammenhang mit dem von diesen Lizenz- und Garantiebedingungen erfassten Vertragsverhältnis zwischen dem Eigentümer und dem Kunden ist- London, England. Der Eigentümer ist jedoch berechtigt, den Kunden auch an seinem allgemeinen Gerichtsstand zu verklagen.

Die Ansicht, den Gerichtsstand ins Ausland zu verlagern, kennen wir ja bereits von EA. Schade, dass es immer wieder versucht wird…

Insgesamt ist die EULA inhaltlich deutlich besser als das, was in letzter Zeit diskutiert wird. Es bleiben aber deutliche Schwächen – vor allem die Präsentation ist unübersichtlich wie die Gebirgszüge von Skyrim.

  1. [1] Diese Anleitung habe ich leider zu spät gelesen.
  2. [2] U.a. muss zuerst ein Bugreport geschrieben werden.

by Patrik Schönfeldt at 2011/12/29, 15:58:12

Green Ninja

Der VDVC-Planet

Möglicherweise ist euch aufgefallen, dass in den Tags zu manchen Beiträgen inzwischen das Wort "Planet" steht. Patrik Schöndfeldt vom VDVC hat eine neue Seite gestaltet, auf der sich verschiedene Artikel aus verschiedenen Blogs u.ä. finden, darunter auch welche von hier. Schaut mal rein.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/12/29, 11:02:07

Stigma Videospiele

Strobl: Verbotsfrage stellt sich selbstverständlich nicht

(abgeordnetenwatch) Nach dem Amoklauf in Winnenden wurde dem CDU-Abgeordneten Strobl unterstellt ein Verbot von “Killerspielen” zu fordern, obwohl nach seinen Worten die Schaffung von Internetsperren für “Killerspielen” tatsächlich nur “neu diskutiert werden” sollte. Später bemühte er sich dies zu unterstreichen und gab an, dass er kein Verbot fordert, sondern “ergebnisoffen [...] prüfen” wolle, wie Amokläufe künftig verhindert werden könnten.

Herrn Strobl wurde bei Abgewordnetenwatch am 12.12.2011 die Frage gestellt, ob sich seine Einstellung zu “Killerspielen” geändert habe beziehungsweise, wie diese denn aussehen würde. Seine Stellungnahme zu den damaligen Äußerungen: 

Dabei hatte ich mich [...] auch (aber keineswegs nur) mit der Überlegung beschäftigt, ob und inwieweit die sog. “Killerspiele” [...] Einfluss auf die Bluttaten des Winnendener Amokläufers gehabt haben könnten, der nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden solche Spiele in hoher Zahl in seinem PC-Arsenal hatte. [...] Aufmerksam verfolgte ich daher die wissenschaftlichen Diskussionen und bildete mir eine Meinung auf der Basis von Fakten, nicht Mutmaßungen, Wunschvorstellungen oder Vorurteilen. Ich kann deshalb, Stand heute, feststellen: Ein positiver Beweis für die Verursacherrolle bei Amoktaten konnte für die Killerspiele bisher nicht erbracht werden. Damit aber stellt sich die Verbotsfrage selbstverständlich nicht, die unter diesen Voraussetzungen auch keinerlei Sinn machte.”

Auch wenn es Herrn Strobl positiv angerechnet werden kann, dass er gesetzliche Restriktionen nur verlange, wenn es “nachweislich zur Abwehr von Gefahren notwendig ist“, erscheint es noch gewisse Defizite zu geben: So meint er einerseits eine “sachlich-nüchterne Auseinandersetzung [...] auf der Basis von Fakten, nicht [...] Vorurteilen” betrieben zu haben, bezeichnet aber andererseits gewaltdarstellende Videospiele als ”sog. “Killerspiele” (von Nutzern lieber als “Ego-Shooter” bezeichnet)”. Hier wird – wie schon durch die Darmstädter Staatsanwaltschaft – der reale Sachverhalt umgekehrt: Nicht “Killerspiel” ist die korrekte Bezeichnung, sondern Ego- bzw. First-Person-Shooter. Wenigstens hat Strobl keinen Anstoß daran genommen, dass ihm die Frage in der Kategorie Kultur gestellt wurde.

Zur Stellungnahme

by Rey Alp at 2011/12/29, 10:50:37

28. Dezember 2011

Stigma Videospiele

NDR: Monopol auf Manipulation?

(stefan-niggemeier) Beim Honnoveraner “Tatort” ist dem NDR des Öfteren das Fabrikat eines großen Wolfsburger Automobilherstellers ins Bild gerutscht, so dass der eine oder andere ein “Product Placement” vermutete. Veranschaulicht wurde dies durch ein Youtube-Video, in dem sich die fraglichen Szenen aneinandergereiht auf mehr als sechs Minuten Sendezeit summierten. Der NDR wies den Verdacht des (bezahlten) “Product Placements” zurück – man habe die genutzten Fahrzeuge zu “marktüblichen Mietpreisen angemietet” – und ließ das Video bei Youtube entfernen.

Auch wenn man sich bei der Löschung vordergründig auf “die Urheberrechte einer ganzen Reihe von Menschen” beruft, stößt man sich tatsächlich am Inhalt des Videos.

Mit Thomas Schreiber führt der Unterhaltungschef des NDR in einer Stellungnahme bei www.stefan-niggemeier.de aus, dass er die Entfernung des nach Ansicht des NDR “manipulativen Zusammenschnitt[es]” für nötig erachte, weil ansonsten “Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes [...] wahr ist” bzw. das Video die fragliche Behauptung “weiterhin unwidersprochen [...] aufstellen können” würde. Er zeigt sich insbesondere darüber besorgt, dass das Video in “Internetforen [...], bei Journalisten etc ein Eigenleben entwickeln” und ohne die einordnende Stellungnahme des NDR verbreiten werden könnte.

Die Kollegen von Herrn Schreiber scheinen jedoch dann, wenn es die eigenen Videobeiträge betrifft, eine andere Ansicht zu vertreten:

Das vom NDR produzierte Politmagazin “Panorama” strahlte am 22.02.2007 den Beitrag “Killerspiele im Internet” aus, in dessen Rahmen der Wahrheit zuwider behauptet wurde, dass in dem Videospiel “GTA: San Andreas” derjenige gewinne, der “möglichst viele Frauen vergewaltigt“. Darüber hinaus wurde in dem Beitrag das Lachen, das einem Scherz galt, hinter eine virtuelle Leichenschändung geschnitten, um zu suggerieren, dass sich der gezeigte Spieler an der zuvor eingeblendeten Szene erfreuen würde. Des Weiteren wurden Spieler mir Nazis in Verbindung gebracht sowie in Bezug auf den Ego-Shooter “Call of Duty”, bei dem die Brutalität der Tötungen irrelevant ist, angeführt, dass der Spieler “möglichst viele Menschen töten” müsse, “je blutiger desto besser“.

Der Beitrag “Killerspiele im Internet” ist nach wie vor – ohne einordnende Ergänzung – in der dargestellten Form auf der Webseite von Panorama online als Stream abrufbar.

Warum soll es dem NDR gestattet sein, einen “manipulativen Zusammenschnitt [...] weiterhin unwidersprochen” zeigen zu dürfen, so dass “Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes [...] wahr ist” – anderen aber nicht? Durch den Panorama-Beitrag werden ebenfalls die Rechte “einer ganzen Reihe von Menschen [...] verletzt“, die sich nunmehr pauschal seit mehr als drei Jahren den unwahren Vorwürfen ausgesetzt sehen. Oder kommt es eigentlich darauf an, dass nur der NDR “der Denunziation [...] Tür und Tor” öffnen dürfen sollte?

Auf eine Nachfrage hin teilte uns Herr Schreiber mit, dass die Sendung “Panorama” nicht in seinen Verantwortungsbereich falle und verwies uns an seine Kollegen, von denen wir bisher aber noch keine Stellungnahme erhalten haben.

- Beitrag von Stefan Niggemeier
- Stellungnahme von Thomas Schreiber
- Beitrag “Killerspiele im Internet”

by Rey Alp at 2011/12/28, 16:19:55

27. Dezember 2011

Stigma Videospiele

Retarded Television Luxemburg²

(RTL2) Das Scripted Reality Format “X-Diaries” hat sich am 23.12.2011 dem Thema Onlinespiele gewidmet (Nach dem Fernsehkritik-Forum war es wohl eine Wiederholung), wobei eine rührende Story gestrickt wurde: Die Nerds der Gilde eines Onlinerollenspiels begreifen im Urlaub, dass sie ihr Leben vergeudet haben und beschließen die auf USB-Sticks gezogenen Avatare symbolisch im Meer zu versenken. Danach verkünden die Spieler, dass sie nun zuhause ausziehen bzw. ein Fitnessstudio besuchen werden. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist sich über derartige Formate aufzuregen oder sich diese anzusehen. Wer dennoch einen Blick riskieren möchte findet die Folgen online. Ich habe es nicht ertragen die Videos vollständig anzusehen: Bei Teil 2 ab ca. Min. 20 und Teil 3 ab Min. 2 finden sich die besagten Ausschnitte.

- Teil 1
- Teil 2
- Teil 3

(Auch wenn es schwer fällt – Danke für den anonymen Hinweis.)

by Rey Alp at 2011/12/27, 10:53:11

06. Dezember 2011

Green Ninja

Virtuelle Kriegsverbrechen

Call of Duty: Modern Warfare 3 ist scheiße erfolgreich. Das erste Modern Warfare hat den Militärshooter zu dem Entertainment-Giganten gemacht der er heute ist. Viele haben versucht den Erfolg zu kopieren. Homefront war nichts anderes als THQs Versuch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Ebenso EAs Medal of Honor-Reboot. Und doch kam, zumindest wenn man den Verkaufszahlen nach geht, nie jemand an die Modern Warfare-Reihe selber ran.
Auch wenn Handlung und Szenario immer etwas varieren, ist das Zentrum der Spiele doch immer noch, in Mangel eines anderes Wortes, moderne Kriegsführung. Man kriecht durch den Dreck, fährt Panzer etc.

Und das Rote Kreuz will jetzt untersuchen, ob sich diese Spiele an die Genfer Konvention halten.

Video games and IHL: how should the Movement take action?

While the Movement works vigorously to promote international humanitarian law (IHL) worldwide, there is also an audience of approximately 600 million gamers who may be violating IHL in the virtual world. Exactly how video games influence individuals is a hotly debated topic, but for the first time, Movement partners discussed their role and responsibility to take action against violations of IHL in video games. In a side event, participants were asked: “what should we do, and what is the most effective method?” While National Societies shared their experiences and opinions, there is clearly no simple answer. There is, however, an overall consensus and motivation to take action.

Was kann man dazu groß sagen? Uh, ich hab 'ne Idee! Ich poste einfach dieses Video von der Folterszene aus Call of Duty: Black Ops :D

Gute Nacht liebe Leute!

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/12/06, 10:11:24

15. November 2011

Green Ninja

Hate out of 10

Während die Diskussion um die deutsche Spielepresse, zumindest meiner Meinung nach, noch zu keinem befriedigendem Ende gekommen ist, kämpft die amerikanische Fachpresse immer noch mit dem Problem, welches jetzt von Jim Sterling jetzt offiziell Hate out of Ten getauft wurde. (Das Video ist übrigens mal wieder richtig gut. Unbedingt ankucken!) Es geht darum, dass für bestimmte Spiele nichts anderes als quasi perfekte Wertungen akzeptiert werden, sei es von Seiten der Entwickler oder der Fans. Auf VG247 gibt es einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema und auch dort spricht man jetzt von der "Great Review Debate".

Wie bereits mehrmals erwähnt liegt mir dieses Thema sehr am Herzen. Ich spiele und schreibe über Videospiele für mein Leben gern. Man kann dieses Problem von vielen Seiten angehen. Auf der einen Seite hat natürlich viel mit der im VG247-Artikel angesprochenen Situation mit den Publishern zu tun. Die Industrie arbeitet aus offensichtlichen Gründen eng mit der Presse zusammen und das kann Vor- wie Nachteile haben.
Viel eher sehe ich aber gerade das Problem im Fokus auf eine Wertung in Zahlen an sich. Nehmen wir z.B. das berüchtige Uncharted 3-Review von Eurogamer, in der das Spiel zwar für seine Inszenierung gelobt wird, der Kritiker sich aber über die Korridore ärgert in die ihn das Spiel zwingt. Ich habe Uncharted immer noch nicht gespielt, aber diese Kritik macht schon Sinn. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Spiel schlecht ist, aber es ist schon was dran.

Jims Review zu Arkham City hat auch so manche Gemüter erhitzt. Aber auch seine Kritik ist berechtigt. Das Tempo des Spiels (es gibt irgendwie keine passendere Übersetzung für "pacing") ist in der Tat nicht so perfekt wie in Arkham Asylum und die anderen Kritikpunkte die er anbringt sind ebenfalls gar nicht so dumm. All das verblasst aber im Angesicht der finalen Wertung, einer 8.5 von 10. Und das sollte nicht so sein!

Einer der Gründe warum wir uns auf Gamersunity konstant gegen eine Bewertung in Zahlen ausgesprochen haben ist, dass ein Review dadurch auf das Endergebnis allein reduziert wird. Genau das passiert hier nämlich. Es ist völlig egal was Reviewer über all die Spiele schreiben. Wichtig ist nur die Zahl am Ende. Und das geht mir grade tierisch auf den Sack!
Wenn ich mit meinem Bruder aus dem Kino komme hebt er manchmal die Hand und sagt nur "fünf" (von 5 möglichen Sternen). Und ich sage ihm, dass ich Filme nicht in Zahlen bewerten möchte. Und Spiele auch nicht. Es kann gut sein, dass mich mein Job eines Tages dazu zwingt The Legend of Zelda: Explain the fucking timeline already mit einer Prozentwertung zu versehen. Aber wenn es soweit ist, hoffe ich, dass mehr Leute ihren Kauf von dem abhängig machen, was ich geschrieben und nicht was ich errechnet habe.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/15, 21:17:28

07. November 2011

Green Ninja

Die große VDVC-Petition

Ihr erinnert euch möglicherweise, dass ich in den letzten Monaten mehrmals von einer Petition sprach, an der ich mit Mitgliedern von Stigma-Videospiele und dem VDVC gearbeitet habe. Thema der Petition war die Abschaffung von Indizierung und Beschlagnahmung von Videospielen. Nicht zwingenderweise das Ziel der Petition, denn das war primär Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken.
Letztendes war es nicht wirklich überraschend, dass die Petition abgelehnt wurde. Überraschend waren die Umstände und die Begründung, die zeigen, dass der Petitionsausschuss die Texte allem Anschein nach nicht gründlicher liest als eine gewisse ehemalige Familienministerin die ich mal mit sorgfältig formulierten Texten bombardierte.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/07, 21:34:18

Patrik Schönfeldt

WiHack 2011

Die Entwicklertreffen, die ich bisher besucht habe, waren am ehesten mit „Keynote“ zu bezeichnen. Meist gab es Vorträge über geplante Veränderungen, notwendige Entwicklungsschritte und Diskussionen über den weiteren Weg des jeweiligen Projekts. Und auch, wenn der Name des WiHacks schon in eine andere Richtung deutet, hatte ich auch beim Entwicklertreffen von Widelands mit etwas ähnlichem gerechnet.

Whiteboard und Tiefkühlpizza

Die Wirklichkeit sah dann aber ganz anders aus. Als ich am Samstagnachmittag bei der dreitägigen Veranstaltung (Freitag bis Sonntag) aufschlug, existierte zwar eine Liste mit der Überschrift „Discussions“, doch um die Erörterung der einzelnen Punkte habe man sich bisher herumgedrückt. Stattdessen war man besonders stolz auf die verschiedenfarbigen Striche, von denen jeder für einen ausgemerzten Fehler im Spiel steht. Der WiHack ist auf den ersten Blick also eher eine „Bug Squashing Party“. Wenn man darüber nachdenkt, ist das beim sehr fortgeschrittenen Entwicklungsstand auch nicht weiter verwunderlich, schließlich ist schon überdeutlich, wie das Spiel werden soll.

Auf den zweiten Blick jedoch fällt auf, dass auch an neuen Features gearbeitet wird. Zudem geben die fünf anwesenden Mitglieder des Widelands-Teams Auskunft bei Fragen und helfen nebenbei beim Einstieg in die komplexe Materie der Programmentwicklung. Hierbei ist freilich Eigeninitiative gefragt, ein Programmierkurs wird nicht geboten, doch die grundlegenden Konzepte werden schnell am Whiteboard skizziert.

Die Stimmung, die laut den Anwesenden ein Hauptgrund für das Treffen darstellt, war kreativ, locker und konstruktiv zugleich. Zwischen Tiefkühlpizza und Mate-Limonade freute man sich über neue Scrollbars, und gab mindestens einem Interessierten Installationshilfe. Ein grober Zeitplan, was wann gemacht werden soll, wäre sicherlich (vor allem für Außenstehende) eine gute Idee gewesen. Kleine Einführungen und Diskussionen zu Versionsverwaltung, Spielmechnik und Konzepten fanden auf diese Weise eher nebenbei statt – hätten aber mit Ankündigung vielleicht noch ein paar neue Leute anlocken können. Aber schließlich ist es auch der WiHack und weder die WiKeynote noch das WIntro.

In gemütlicher Runde gibt es frisch Gehacktes

Nomeata testet den neuen klickenden Curser

Kristin begutachtet alle Levels im Editor

by Patrik Schönfeldt at 2011/11/07, 13:46:29

02. November 2011

Green Ninja

GoW in D? WTF USK?!

Inzwischen habt ihr es sicherlich schon aus anderen Quellen gehört: Gears of War 3 erscheint ungeschnitten in Deutschland.Prinzipiell ist das eine wirklich tolle Meldung! Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich darüber. Vor allem, weil ich so an DLC komme, den es zu diesem Spiel garantiert geben wird. Aber ich komme nicht drum herum, das ganze ein wenig in Frage zu stellen. Was macht Gears 3 anders als seine Vorgänger? Ich hab den 2. Teil bisher nur mal kurz im Splitscreen gespielt, kenne aber die Kampagne des ersten Teils. Der Gewaltlevel ist hoch, aber die Gewalt richtet sich ja eigentlich hauptsächlich gegen Aliens, oder? Das wird auch der Grund sein, warum es Warhammer 40.000: Space Marine unbeschadet durch die Prüfungen der Jugendschutz-Inquisition geschafft hat.

Ich frage mich wirklich, was letztlich zu dieser Entscheidung geführt hat. Waren es die rotierenden Gremien der USK? Eigentlich ein großer Schwachpunkt im Gesamtkonzept, aber so erlaubt er zumindest, dass Spiele wie Dead Space oder Grand Theft Auto IV ungeschnitten erscheinen, was wiederum von den Spielern gerne gesehen wird.

Aber egal was die USK entscheidet, die BPjM hat das letzte Wort. Was hat sie dazu bewogen den 3. Teil durchzuwinken? Kuckt man sich die anderen Spiele von Epic an, oder den Gears-Schöpfer Cliffy B., ist es schwer zu glauben, dass Gears of War 3 harmloser ist als die anderen Teile.
Werden die deutschen Behörden ihrer Arbeit müde? Sind sie es am Ende, die abgestumpft gegen Gewalt sind? Bei solchen Szenen, kaum überraschend.

Ich denke ich werde mich demnächst mal wieder schriftlich bei der USK und/oder der BPjM melden, wie es zu dieser Entscheidung kam und ob sie mir eine genaue Begründung liefern können. Auch wenn mein Bruder gemeint hat, ich sollte damit vielleicht besser bis nach dem Release warten.

*Ninja vanish*

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:06:29

Das Review-Dillema, Teil 1

So, gestern habe ich es ja schon kurz angeschnitten, jetzt wird Zeit mal richtig darüber zu reden.
Für den Fall, dass ihr es nicht mitbekommen habt, Christian Schmidt, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Gamestar, schreibt jetzt für Spiegel und hat dort kürzlich eine Kolumne veröffentlicht, die in der Branche hohe Wellen geschlagen hat. Es geht um die deutsche Spielepresse, wie sie dem Medium und ihrer Kundschaft nicht mehr gerecht wird. Den ganzen Artikel gibt es hier.

Von mir erst mal so viel: Ich schreibe liebend gern Videospielkritiken und ich hoffe eines nicht zu weint entfernten Tages damit mein Geld verdienen zu können. Insofern sauge ich auch alles auf was ich zu dem Thema finde. Denn ich will ein besserer Schreiber werden. Und ich will dem Medium gerecht werden. Aber das ist eigentlich eine ganz andere Debatte. Die Entwicklung des Mediums, wie es mehr in den gesellschaftlichen Mittelpunkt rückt. Versteht mich nicht falsch, ich mag Blockbuster Entertainment ala Gears of War so sehr wie jeder andere, aber ich vertrete auch die Meinung, dass Spiele durchaus mehr sein können. Wie genau das funktionieren soll ist nicht so einfach zu erklären, aber es ist eigentlich Nichts, woraus man der Presse einen Strick drehen könnte. Auch wenn Spiele ein Medium sind das zu mehr fähig ist, so besteht ein Großteil des Marktes doch weiterhin aus Blockbuster Entertainment mit Popcorn-Charakter.

Der Job eines Spielekritikers, zumindest sehe ich mich in dieser Rolle, ist primär seinen Lesern zu sagen ob ein Spiel ihre hart verdienten 50-70 Öcken wert sind. Dies kann er auf viele verschiedene Arten tun. In Textform, als Video, mit Zahlen, ohne Zahlen. Natürlich darf der Unterhaltungswert nicht unterschätzt werden. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten die ihr Geld damit verdienen alte Spiele zu reviewen, wie z.B. Spoony oder James Rolfe. Aber gerade zu dieser Jahreszeit muss doch vor allem Eines geklärt werden: Welches von diesen gefühlten 20.000 Spielen die in den nächsten 3 Monaten erscheinen soll ich mir jetzt kaufen?

Dies wird von Christian in seinem Artikel kritisiert:
Solche Kaufberatung sehen die meisten Spieletester bis heute als ihre Hauptaufgabe. In Zeiten, in denen Videospiele als Medium mit gesellschaftlicher Aussagekraft, als Kulturgut und Kunstwerke gelten wollen, behandelt die klassische Spielekritik sie in erster Linie als Produkt.
Wie gesagt, bei der Flut an Titeln vor denen man manchmal steht bleibt einem gar Nichts anderes übrig. Ich habe persönlich noch das Glück mir jedes Spiel das ich reviewen möchte selber auszusuchen. Und mein Tisch ist diese Woche schon relativ voll, mit einem Xbox Actionkracher, einem 3DS-Titel und einem Point & Click-Adventure. Wenn ich jetzt bei der Gamepro arbeiten würde, müssten diese Reviews noch deutlich schneller fertig werden, denn ich hab ja noch einen Stapel mit ca. einen Duzend anderer Titel.
Natürlich sind Spiele Kulturgut. Natürlich sind die Kunstwerke. Aber als professioneller Spieletester hat man halt nicht immer die Zeit die man sich gerne nehmen würde um diesen Spielen die Aufmerksamkeit zu geben die sie verdienen. Dennoch hat man Verantwortung gegenüber seinen Lesern: Nämlich ihnen zu sagen, ob sich ein Spiel lohnt.
Für die deutsche Spielekritik ist der Vollständigkeitsanspruch zu einer Hypothek geworden. Ihr Detailfetisch gaukelt eine Gründlichkeit vor, die weder dem Medium gerecht wird noch dem eigenen Ziel.
Worte wie Fetisch funktionieren ja immer großartig, wenn man über jemanden herziehen will. Auf der einen Seite werden Spiele nicht ausgiebig genug analysiert, aber auf der anderen Seite wird zu detailreich über sie berichtet? Eine sehr detailreiche Berichterstattung geht doch letztlich auch darauf zurück, dass man seinen Lesern zeigen will warum sich ein Spiel lohnt oder nicht. Möglicherweise gibt es ja ein paar kleine Details, die das Spiel für manche Leute kaputt machen würden. Gerade auf einem Markt der von Shootern dominiert wird, sind es die kleinen Dinge, die einem besonders auffallen. Lest dazu mal das Gamersunity Review zu Homefront. Ich interessiere mich nicht die Bohne für dieses Spiel, aber Ru$h .IX gibt uns einen sehr guten Überblick darüber, was Homefront falsch macht im Vergleich zu anderen Kriegsshootern. Möglicherweise wird dieser Bericht nicht Videospielen als Kunst und Kulturgut gerecht, aber er sagt mir verdammt nochmal was an diesem Spiel gut ist und was nicht!

Den Teil über Gehalt kann und möchte ich nicht groß kommentieren. Wie gesagt, ich hoffe wirklich eines Tages mit Reviews Geld zu verdienen und die von Christian genannten Zahlen sind dabei nicht sonderlich ermutigend.
Was mich dann aber noch etwas stutzig macht, ist wie über Professionalität in der Branche geredet wird.
Die Verlage lagern Wissen aus, aber integrieren gleichzeitig Enthusiasmus und Fan-Tum. Eine nüchterne Distanz zum Medium macht das zumindest nicht wahrscheinlicher. Wie der deutsche Fachjournalismus einer Milliardenindustrie auf Augenhöhe begegnen will, wenn er sein Personal aus Amateuren rekrutiert, bleibt unklar.
Was mir hier unklar ist, ist wie es denn anders funktionieren soll. Wie soll man diesen Job ohne eine gehörige Portion Enthusiasmus denn bitte sehr angemessen erfüllen? Und meine Erfahrungen zeigen mir, dass dieser Enthusiasmus auch stark von Seiten der "Milliardenindustrie" kommt. Man könnte an diesem Punkt natürlich argumentieren, dass es der Job vieler Leute ist Begeisterung für ihr neues Produkt zu zeigen. Man nehme nur mal die ganzen PR-Leute (die Beziehung zwischen PR und Kritiker ist eigentlich eh noch mal ein Thema für sich) deren Job ist nur Begeisterung für ein Produkt zu zeigen. Aber noch viel krasser sind die eigentlichen Entwickler. Selten habe ich Menschen so begeistert für ihre Produkte erlebt wie Dax von Rocksteady oder Peter Molyneux. Und Nichts freut diese Menschen mehr, als wenn man ihnen mit dem selben Enthusiasmus begegnet. Eine nüchterne Kritik kann später immer noch folgen. Und journalistisches Niveau? Da bin ich ja eher ein Vertreter von Learning by doing.

Im Artikel wird die Frage nach der Zielgruppe gestellt. Und da kann ich mich nur den Worten von Mick Schnelle anschließen. Die Zielgruppe sind die Spieler. Denn um den Nichtspielern zu zeigen was Spiele alles können muss man sie erstmal zum Spielen bringen. Ich lese keine Theaterkritiken. Warum nicht? Weil ich nicht ins Theater gehe. Zugegeben, mein letzter Besuch ist schon ein paar Jahre her, aber bisher konnte ich dem Medium Nichts abgewinnen. Warum sollte ich also Kritiken über bestimmte Vorstellungen lesen?


Wohin also mit der deutschen Spielepresse? Das ist eine Frage die auch ein halbes Duzend Experten nicht in einer 1-stündigen Diskussion beantworten konnten.
Dieses Thema hat so viele Ecken und Kanten, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Möglicherweise ob eine Bewertung in Zahlen überhaupt Sinn macht. Aber wisst ihr was? Damit befasse ich mich morgen.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:06:20

Das Review-Dillema, Teil 2 - Kunst und Kultur

Es wurde bei Weitem nicht nicht alles zu diesem Thema gesagt, aber worüber schreib ich heute? Es gibt eine Menge zu sagen über Christians Worte zum Thema Spiele als Kulturgut. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob man dieses Thema nicht besser in einem Podcast angehen sollte.
Die Frage ob Spiele Kunst sind ist überflüssig. Aber wie kann man dieser Entwicklung in einem Review gerecht werden? Muss man ein Spiel immer daran bewerten was für eine Wirkung es auf das Medium hatte? Wie es sich an anderen Medien bedient?

Wie bereits mehrmals erwähnt sind die meisten Spiele heutzutage primär Entertainment. Es gibt immer wieder Perlen die aus der Masse herraus stechen, aber ist ein neues Resident Evil oder Darksiders wirklich mehr als 10-20 Stunden simple Unterhaltung? Ist ein Titel erwähnenswert als Kulturgut, wenn die Story mehr ist als ein simples "Rette die Prinzessin, töte den Schurken"? Denn da sehe ich ein anderes Problem: Wenn es nur die Geschichte wäre, die ein Spiel in den Kreis der kulturell wichtigen Titel bringt, könnte man das nicht auch in einem Film machen?
Videospiele sind als interaktives Medium nahezu einzigartig. Deswegen reicht es nicht, wenn nur eine tragische Geschichte erzählt wird, der Spieler muss sie wirklich erleben. Aber wie viele Spielen können das schon von sich behaupten? Ich vertrete ja immer noch die Meinung, dass das erste Modern Warfare eine Art Anti-Kriegsspiel darstellt. Eine andere Möglichkeit wäre Edna bricht aus

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:06:10

Das Review-Dillema, Teil 2 - Kunst und Kultur?

Es wurde bei Weitem nicht nicht alles zu diesem Thema gesagt, aber worüber schreib ich heute? Es gibt eine Menge zu sagen über Christians Worte zum Thema Spiele als Kulturgut. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob man dieses Thema nicht besser in einem Podcast angehen sollte.
Die Frage ob Spiele Kunst sind ist überflüssig. Natürlich sind sie das. Aber wie kann man dieser Tatsache in einem Review gerecht werden? Muss man ein Spiel immer daran bewerten was für eine Wirkung es auf das Medium hatte? Wie es sich an anderen Medien bedient?

Wie bereits mehrmals erwähnt sind die meisten Spiele heutzutage primär Entertainment. Es gibt immer wieder Perlen die aus der Masse herraus stechen, aber ist ein neues Resident Evil oder Darksiders wirklich mehr als 10-20 Stunden simple Unterhaltung? Ist ein Titel erwähnenswert als Kulturgut, wenn die Story mehr ist als ein simples "Rette die Prinzessin, töte den Schurken"? Denn da sehe ich ein anderes Problem: Wenn es nur die Geschichte wäre, die ein Spiel in den Kreis der kulturell wichtigen Titel bringt, könnte man das nicht auch in einem Film machen?

Videospiele sind als interaktives Medium nahezu einzigartig. Deswegen reicht es nicht, wenn nur eine tragische Geschichte erzählt wird, der Spieler muss sie wirklich erleben. Aber wie viele Spielen können das schon von sich behaupten? Ich vertrete ja immer noch die Meinung, dass das erste Modern Warfare eine Art Anti-Kriegsspiel darstellt. Eine andere Möglichkeit wäre Edna bricht aus, in dem der Story Twist deutlich wirksamer als in einem Film ist, weil die voran gegangen Taten eben vom Spieler selbst verübt wurden.

Und an diesem Punkt könnte man vielleicht ansetzen, wenn man Zeitschriften wieder wichtig machen will. Spiele intensiver betrachten und sie nicht nur "bewerten". Aber auch davon gibt es im Internet eigentlich schon mehr als genug.

So, es ist spät und ich will noch 'ne Folge Doctor Who kucken. Ich schreib die Woche aber sicher noch mehr. :)

*Ninja vanish*

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:05:59

Das Review-Dillema, Teil 3 - Zahlen

So, irgendwie habe ich seit einer Woche nichts mehr zu dem Thema gelesen, was eigentlich ein guter Aufhänger für eine längere Diskussion hätte werden können. Ich denke ich werd noch ein bisschen drüber schreiben, alleine um für ein bisschen mehr Content im Blog zu sorgen.

Egal ob man es Reviews, Tests oder Kritiken nennt, eine Sache hat ein Großteil dieser Artikel gemeinsam: Eine Zahl am Ende die das Spiel bewertet. Manche Leute können ohne diese Zahl nicht leben.
THQ Vice-President of Core Games Danny Bilson sagte im April, "Homefront ist keine 71", und man könne "Mathematik nicht auf Kunst anwenden". Dem würde ich ja prinzipiell so zustimmen. Eine einzelne Zahl die das Spiel in Sachen Grafik, Gameplay und "Spielspaß" bewertet, wird dem Medium einfach nicht gerecht. Auch wenn es Danny vermutlich nicht wirklich darum ging ein Statement zum Stand der Spielepresse zu machen, sondern einfach pissig war, dass ihr geplanter CoD-Killer nicht das Spiel war, das es sein sollte.

Natürlich kann ich die einzelnen Qualitäten eines Spiels beurteilen, aber Spiele sind ein Gesamtwerk, mehr als die Summe ihrer Teile. Nehmen wir z.B. Captain America: Super Soldier, ein Spiel, das mir sehr gefallen hat. Aber würde ich es rein steril nach Zahlen bewerten, wäre es vielleicht eine 6 oder 7 geworden. (Wohlgemerkt nach einem sinnvollem System der Bewertung und nicht der typischen Annahme, dass alles unter 7 totaler Müll ist.) Das Kampfsystem ist toll und wirklich das Herz des Spiels, aber die Akrobatik ist keinerlei spielerische Herausforderung. Hinzu kommt, dass mir das Spiel vor allem wegen des Settings so viel Spaß gemacht hat. Aber wie bewerte ich sowas als Zahl? Sind Superschurken-Nazis 10 von 10 Punkten wert? Kann ich einem Superheldenspiel 80 oder 90% geben, weil es den Charakter toll umsetzt?

Ein Spiel in Zahlen bewerten ist vielleicht heutzutage völlig normal, aber das heißt bei Weitem nicht, dass es auch die perfekte Lösung ist.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:05:47

Das Review-Dillema, Teil 4 - ein Vergleich

Da die Diskussion allem Anschein doch noch nicht völlig beendet ist, hier ein weiterer Beitrag zum Thema. Ich dachte mir, es wäre mal eine gute Gelegenheit verschiedene Reviews miteinander zu vergleichen. Und der Einfachheit halber nehmen wir ein Spiel, das aus dem Massenmarkt herraus sticht und das ich praktischerweise auch selber gespielt habe: Harveys neue Augen. Zur Übersicht:
Das Review von der PC Games ist so auch in ihrer Print Ausgabe zu finden, ich gehe davon aus, dass das bei der Gamestar auch der Fall ist.

Als Einstieg vielleicht etwas Selbstkritik. Ich mag mein Review von Harveys neue Augen nicht sonderlich. Das Spiel ist toll, aber ich hatte Schwierigkeiten meine Gefühle darüber in Worte zu fassen. Das hängt auch zu großen Teilen mit Edna bricht aus zusammen, ein Spiel von dem ich immer noch nicht weiß, ob es durch ein Sequel nicht an Wirkung verliert.
Was an Harvey, unter anderem, so toll ist, war wie völlig unvorbereitet ich auf dieses Spiel war. Klar, ich habe vor Release so gut es ging darüber berichtet, aber was im 1. Akt dann alles passiert.... damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Es stellt alles auf den Kopf was Edna (glaube ich) versucht hat zu sagen und ist dabei doch fast genau so eindrucksvoll. Auch wenn ich persönlich meine Probleme damit hatte.
In gewisser Weise ist das genau die Art Spiel mit der wir Kritiker uns mehr befassen sollten. Nicht Gears of War 3 oder ähnliche laute, tolle Blockbusterspiele. Denn die sind am Ende doch meistens nur bis aufs äußerste optimiertes Entertainment. Aber Spiele wie diese, in denen die Handlung nicht der Hintergrund für das Gameplay ist, sondern sie miteinander verwoben sind, hier findet sich ein Stück Weiterentwicklung des Mediums.

Aber sehen wir uns doch mal die verschiedenen Kritiken an:
Wie bereits gesagt, ich hatte meine Probleme dieses Spiel zu reviewen. Das lag vor allem an einer Sache: Ich wollte so wenig wie möglich spoilern. Denn gerade der erste Akt lebt von seiner Unberechenbarkeit. Aber wenn man nicht versucht die Handlung zu beschreiben und die Wirkung die sie auf den Spieler hat, was bleibt einem dann noch übrig als ein "klassischer" Spieletest?
Mir hat das Gamestar-Review ja sehr gefallen. Da wird zwar der kritische Punkt im ersten der 3 Akte schon gespoilert, aber gleichzeitig ermöglicht diese Herangehensweise auch eine tiefere Analyse des Inhalts.
Das Review von der PC Games dagegen fasst die Handlung des 1. Akts zusammen, allerdings ohne auf den kritischen Spoiler zu sprechen zu kommen. Und dadurch verfällt der Rest des Textes in die üblichen Konventionen und es wird noch nicht einmal erklärt warum Harvey "sogar noch einen Tick besser als das Edna-Abenteuer" sein soll.
Um noch einmal auf mein Review zurückzukommen: Ich kam letztendes auch nicht um Spoiler herum und habe dann doch versäumt auf das Gesamtbild gründlicher einzugehen. Aber es ist halt auch wirklich eine schwieriger Entscheidung, weil das Spiel meiner Meinung nach an Wirkung verliert, wenn man vor dem Spielen zu viel darüber weiß.

Und wie sieht das mit der Endwertung aus? Nun, wie ihr vielleicht wisst, verzichten wir bei Gamersunity komplett auf eine Bewertung in Zahlen. Mein Fazit am Ende war, dass das Spiel auf jeden Fall gespielt werden muss. Was eigentlich reichen sollte (natürlich nur, wenn man sich ausschließlich an meine Kritiken hält). Die Gamestar-Kritik hat am Ende eine sehr ausführliche Bewertung in Zahlen, aus denen letztlich ein Durchschnitt berechnet wurde, die PC Games dagegen nur eine "Spielspaßbewertung" in Prozent.

Was ist also das Fazit, das wir aus diesen 3 Kritiken ziehen können? Hatte Christian Schmidt recht und die Branche wird dem Medium nicht mehr gerecht? Die PC Games Kritik scheint an ihren eigenen Konventionen zu scheitern, während die Gamestar einen Mittelweg findet, bei dem ich die Zahlen aber dennoch für eher unnötig halte. Was meint ihr?

*Ninja vanish*

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:04:58

Warum 'Edna bricht aus" so geil ist

Im Zuge der Review-Debatte habe ich mir mit meinem Bruder zusammen überlegt, in welche Richtung man den Spielejournalismus betreiben könnte um aus den üblichen Konventionen auszubrechen. Recht schnell kamen wir dabei zu dem Punkt, ich könnte mich doch mal an Meta-Kritiken versuchen. Texte, die über eine simple Bewertung eines Spiels hinausgehen und es mehr unabhängig von der Qualität analysieren.
Ich bin mir noch nicht 1oo%ig sicher ob ich das auch wirklich drauf habe, aber eigentlich handelt es sich dabei um eine Textart mit der ich mich schon länger auseinandersetzen will. Ich bin ein großer Fan von Extra Credits und hoffe mich damit mehr in Richtung ihres Niveaus zu bewegen.

Aus Mangel an besseren Ideen widme ich meinen ersten Artikel in dieser Reihe einem Spiel von dem ich hier eh ohne Unterbrechung schwärme. Für all die Leute die lieber Spoiler lesen als ein Spiel selber zu spielen, oder natürlich auch für die Leser, die es schon kennen: Warum Edna bricht aus so scheiße geil ist!

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:04:46

Das Review-Dillema, Teil 5 - von Fans für Fans?

Ich warte immer noch auf eine schriftliche Zusammenfassung der Diskussion in Karlsruhe die eigentlich noch vom VDVC kommen sollte. Bis es soweit ist, möchte ich auf einen speziellen Punkt aus dieser Diskussion zu sprechen kommen. Ich bin mir im Moment noch nicht sicher wie wichtig der Text für euch ist, aber ich schreib' jetzt einfach mal drauf los.

Während der Diskussionsrunde kam die Frage auf, ob es eine gute Idee ist, das Spiele nur von Leuten getestet werden, die auch Fans der Reihe bzw. des Genres sind, denn nur die können auch die ausführliche Analyse geben um den jeweiligen Hardcore-Fans auch zu sagen ob sich das Spiel auch für sie lohnt. Hierbei wird zum einen erstmal völlig der Punkt ignoriert, dass viele dieser Fans eigentlich gar keine Reviews brauchen. Aber eine jungen Frau im Publikum gab zu dieser Situation einen äußerst faszinierend Kommentar ab: Wenn nur Shooterfans und Battlefield-Veteranen angemessene Reviews zu Modern Battlecombatwarfarestrike und Co. schreiben können, stammt dann nicht auch die einzig ernstzunehmende Twilight-Kritik von einem 15-jährigen Mädchen?

Gerade für mich ist das eigentlich ein ziemlich wichtiges Argument. Wer sich meine Reviewliste durchliest, der merkt vielleicht, dass sich dort viele Spiele basierend auf Superhelden(comics) o.ä. finden. Spider-Man, Captain America, Transformers, Ninja Turtles etc. Ich bin halt ein Vollnerd und steh auf diese Stories. Und eben deswegen will ich auch sehen, was die Spiele dazu taugen. Oder, um es genauer auszudrücken: Werden sie der Vorlage gerecht?
Nehmen wir zum Beispiel mal Captain America: Super Soldier. Würde ich hier den Prinz von Persien spielen, fände ich es eine grobe Frechheit, wie sehr die Akrobatik zusammengestaucht wurde und, dass mir jetzt "nur" das Kampfsystem bleibt. Aber das Kampfsystem in Super Soldier war genau das, was das richtige Feeling für den Charakter erzeugt hat. Schlag den Nazi, tritt diesen dort und wirf dem letzten das Schild ins Gesicht.
Okay, gut. Ich hab das Spiel vielleicht etwas überschwenglich bewertet. Aber eben weil ich ein Cap-Fan bin. Und dieses Spiel ist halt was für Cap-Fans.

Aber genau das ist doch das Problem, oder? Ich habe einige Kritiken zu Twilight gelesen und keine von ihnen war positiv. Ich würde sicher eine positive Kritik finden, wen ich danach suchen würde, aber will ich das? Eigentlich seh ich mir lieber einen Verriss von Moviebob an.
Was ich bisher über Twilight gehört habe, alles von mehr oder weniger professionellen Filmkritikern, ist primär Kritik an den schwachen Darstellern und dem Skript. Aber die Bücher und Filme sind so scheiße populär, dass viele Leute anscheinend über diese Fehler hinweg sehen können. Nämlich die Fans.

An diesem Punkt hätte ich gerne etwas Feedback, bevor ich mich dem Thema weiter widme. Wie seht ihr das? Lest/schaut ihr lieber Kritiken von Fans? Vielleicht weil ihr selber welche seid? Oder wollt ihr eine objektivere Meinung und könnt eben diesen nicht trauen?

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:04:31

8 out of 10

Irgendwie gibt es grade weniger Feedback als ich mir erhofft hatte. Egal, das hat mich noch nie vom Schreiben abgehalten.

Zwar gibt es im Zuge der Review-Debatte nichts Neues hierzulande, aber ich bin heute über mehrere interessante Artikel und daraus entstehende Probleme gestoßen und wollte sie mit euch teilen. Autor besagter Artikel ist Jim Sterling, Redakteur für Destructoid, aber ihr kennt ihn vermutlich eher aus seiner Show Jimquisition.
Jim hat neulich ein vergleichsweise negatives Review zu Ratchet & Clank: All 4 One geschrieben und es hat ihm anscheinend auch nicht viel Spaß gemacht es zu schreiben. Entwickler Insomniac Games, das Studio hinter dem original Spyro, der Ratchet & Clank-Serie, Resistance und dem derzeit in Entwicklung befindlichem Overstrike, haben relativ zügig auf dieses Review geantwortet. Ihre Antwort war kurz und schmerzlos und niemand musste um seinen Job bangen oder ähnliches. Doch das ist noch nicht der interessante Teil. Über diesen Artikel bin ich nämlich auf einen weiteren gestoßen, in dem Jim erzählt, was für ein Chaos auf sein Review zu Gears of War 3 folgte. Manche Personen, darunter Cliffy B., kamen anscheinend nicht damit klar, dass Gears nur 8 von 10 möglichen Punkten bekommen hat.
"Finally, we have the press joining in, encouraging this idea that anything below a nine is now unacceptable for Triple-A titles."
Als jemand der immer noch vergleichsweise neu im Review-Geschäft ist, macht mir dieses Thema durchaus Sorgen. Ich halte mich mit meiner Meinung nur ungern zurück, aber wenn ich mir ansehe was ein bekannter Schreiber für eine so hohe Wertung einstecken muss, will ich gar nicht daran denken, was unser Gamersunity PR-Gott Benda alles für mein Review zu The Force Unleashed II durchmachen musste.

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:04:05

LANge Nacht - Spielkritikdebatte

Hat ein bisschen gedauert, aber jetzt gibt es endlich den VDVC-Mitschrieb der Review-Debatte auf der LANgen Nacht der Spielkultur.
Selbst die Programmierer würden vor öffentlichen Auftritten gezielt auf Marketingsprech getrimmt, es sei „jedes Wort eintrainiert“, sodass die Redakteure sich nur auf Werbephrasen als wichtigste Quelle verlassen könnten. Sie seien leider „überfragt, wenn nicht die PR angezapft werden soll“. Als weiterer Beleg hierfür wurde herangezogen, dass Indy-Spiele (wie Minecraft) oftmals solange übersehen werden, bis sie mit ohrenbetäubendem Lärm an die Tür klopfen.
...weiterlesen

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:03:35

8 out of 10 - Uncharted Fans sind wahnsinnig

Als ob die Geschichte um Gears of War 3 nicht schon seltsam genug gewesen wäre, wird das von dieser Story nochmal getoppt. Ich habe Uncharted leider noch nicht gespielt, einmal abgesehen von 2 kurzen Sessions auf der Gamescom. Bisher habe ich allerdings nur Gutes über die Reihe gehört und wenn ich irgendwann nächstes Jahr hoffentlich mal eine PS3 in die Hände kriege stehen die Spiele ganz oben auf meiner Liste. Zusammen mit God of War III. Und Metal Gear Solid IV. Und Heavy Rain. Und InFamous.

Anyway, auf jeden Fall tröpfeln so langsam die Reviews zu Uncharted 3 rein und dieses mal kommt das wütende Geschrei nicht von den Entwicklern, sondern von den Fans. Eurogamer hat dem Spiel in ihrem Review ebenfalls die gefürchteten 8von 10 Punkten gegeben. Ein Review, von dem ich anmerken möchte, dass es sehr gut geschrieben ist und so toll Uncharted 3 auch aussieht, scheint es sich hier um äußerst berechtigte Kritikpunkte zu handeln. Und dies ist der Dank dafür:
"I can't believe those mutherfuckers had the nerve to give Uncharted 3 an 8. Fucking trolls."
Nur einer von erschreckend vielen Sätzen dieser Art.

Ich möchte nicht sagen ich bin komplett emotionslos, wenn ich ein Review verfolge mit dem ich nicht übereinstimme. Erst gestern habe ich ein Video von Moviebob gesehen, in dem er erklärt, was ihm an Metroid: Other M so gefällt. Und ich hasse Other M. Aber um Gorkes Willen, wie kann man denn so abgehen?! Ich meine, klar, es ist das Internet. Menschen sagen dumme Sachen im Internet. Aber von diesen Zitaten wird mir teilweise echt schlecht.
"If your reviews constantly differ from rest of the community, then you are simply not fit for the job."

"The sum of Uncharted 3's parts make it worthy of a higher score than an 8/10. Based purely on what I know right now, without having even played the single player campaign, I know this. Anyone reviewing videogames today knows this."
Ich liebe es Videospielkritiken zu schreiben. Es ist etwas von dem ich hoffe mal mein Geld mit verdienen zu können. Aber wenn ich lese wie Leute eine gesamte Website in den Dreck stampfen für ein Spiel, dass noch gar nicht erschienen ist!!!
Meine Quelle war übrigens erneut ein Artikel von Jim Sterling. Nur so nebenbei erwähnt.

*Ninja vanish*

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:03:21

Nachbesprechungen

Möglicherweise erinnert ihr euch noch an meinen Podcast mit Manuspielt zu Aliens: Infestation. Gerade eben habe ich mir eine weitere Episode von seinem täglichen (!!!) Podcast angehört, in dem erneut über den aktuellen Stand der Spielepresse (dieses mal auch international) geredet wird. Ein Punkt der angesprochen wurde sind Spielenachbesprechungen und ob diese einen Platz in der Spielepresse hätten. Ich habe mich mit meiner Kolumne zu Edna bricht aus ja bereits daran versucht und möchte auch mehr in der Richtung machen. Wie seht ihr das so? Besteht überhaupt Interesse an dieser Sorte Text?
Link

by Green Ninja (noreply@blogger.com) at 2011/11/02, 22:02:32

20. August 2011

VDVC-Live

Sniper 2: Ghost Warrior

Hilfe! Schon wieder ein XBox-Controller! (->Gordon).
Leiser kann ich die eher maue Spielerfahrung nicht nur auf meine Unfähigkeit reduzieren, Ego-Shooter per Gamepad zu bedienen. Die kurze Zeit, die ich dieses an sich ja interessante Spielprinzip ausprobiert habe, verbrachte ich damit, rauszufinden, was ich eigentlich tun muss. Die seltsame Mission, deren Sinn mir verborgen blieb, hatte keinerlei Spannungkurve. Das Leveldesign machte ebenfalls einen sehr langweiligen Eindruck.

2011/08/20, 17:27:34

Diablo 3

Ich (Gordon) habe Diablo 3 angezoggt und muss sagen: Macht Spaß! Hat ne dunkle Atmospäre und eine gelungene Umgebung. Die Grafik macht ebefalls einen gelungenen Eindruck, die wenigen Quests, die ich anspielen konnte, waren recht abwechslungsreich.

2011/08/20, 09:19:48